Frauenklage (B408)

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Frauenklage (B408)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Ende 14. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Leipzig, Universitätsbibliothek: Rep. II 70a, 99va-102ra
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Frauenklage; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 664-666

Inhalt

A Prolog (1–7)

Ein Erzähler kündigt die Klage einer Frau an, die tief betrübt ist über all das, was sie nun vorbringen will.

B Monologische Klage (8–125)

Die Sprecherin beklagt zunächst die falschen Neider und das Unheil, das sie mit ihren giftigen Zungen anrichten. Unbeständigkeit und Täuschung belasten zusätzlich das Gemüt vieler Menschen. Dem Neider gehe es nur gut, wenn es anderen schlecht gehe; einzig fröhliche Gelassenheit könne ihm begegnen, und dafür bittet sie um Kraft. Dann wendet sie sich der Macht des Geldes zu: Es herrsche über die Welt, zerstöre Ehre, Freundschaft, Verwandtschaft und sogar die Natur selbst. Wer kein Geld habe, besitze weder Möglichkeiten noch Ansehen, gleich welchen Alters.

C Personifikationsdichtung, belauschtes Streitgespräch (126–240)

Die Sprecherin berichtet von einem Streit zwischen Frau Treue und Frau Untreue, den sie belauscht hat. Treue wirft Untreue vor, ihr Gebot zu brechen; Untreue bestreitet das nicht, sondern verspottet sie und rühmt ihre größere Macht. Treue verflucht sie, erkennt aber zugleich ihre Stärke an. Untreue nennt sieben Wege, die Menschen immer wieder zur Untreue führen: Zorn, Neid, Unbeständigkeit, Trostlosigkeit, Zweifel, Unanständigkeit und Unglück. Sie wiederholt und erläutert diese in umgekehrter Reihenfolge und fordert Treue auf, sich ihrer Lehre anzuschließen, da die Menschen sie ohnehin nur belügen und ausnutzen würden. Treue weigert sich, und die Sprecherin kommentiert, dass Untreue die Treue überwunden habe.

D Jagdallegorie (241–387)

Die Sprecherin führt das Thema in einer Jagdgeschichte fort: Ein Jäger kann nichts erbeuten, obwohl er mehrfach seine Hunde »Treue«, »Beständigkeit«, »Verheimlichen« und »Trost« aussendet. Diese werden jedoch stets von »Melde«, »Neid«, »Zweifel« und »Klaffen« vertrieben. Der Jäger beklagt seinen Misserfolg bei Hirsch, Schwein, Hase, Reh, Wolf, Bär, Fuchs und Kaninchen. Die ständige Präsenz des Hundes »Treue« verbindet die Allegorie mit dem vorangehenden Streitgespräch. Eine anschließende Auslegung warnt ausdrücklich vor den vier falschen Hunden Neid, Melden, Zweifel und Klaffen. Der Abschnitt endet mit der Markierung: Dies sei des Jägers Jagd.

E Schluss (388–400)

Die Sprecherin fordert alle, die ihre Klage verstanden haben, auf, sich vor falschen Menschen, besonders vor Neidern und Untreuen, zu hüten. Sie fasst ihre Warnungen zusammen und schließt mit einem Gebet, Gott möge alle durch seinen Tod reich an Freude machen, und mit einem Amen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 664-666)