Männertreue und Frauentreue (B410)

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Männertreue und Frauentreue (B410)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung vor 1410
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 1107, 104v-111v
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 358, 107v-118v
Karlsruhe, Landesbibliothek: Cod. Donaueschingen 77, 259-302
Trier, Stadtbibliothek: Hs. 1120/128a 4°, 15v-20r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 669-673; Stridde, Christine: Männertreue und Frauentreue

Inhalt

A Spaziergangseinleitung (1–37)

Der Sprecher gelangt eines Morgens an ein stürmisches Gewässer. Die haushohen Wellen jagen ihm Angst ein, sodass er am Ufer verweilt, bis der Nordwind den Himmel aufhellt und die Sonne durchbricht. Auf der Suche nach einem Fährmann entdeckt er in einem engen Hafen ein Schiff mit blauem Segel. Er setzt mit einem kleinen Nachen über.

B Das blaue Schiff (38–95)

Im menschenleeren Schiff fällt ihm die blaue Innendekoration und ein blauer Samtbehang mit goldenen Inschriften auf, die die Farbe Blau als Zeichen der Beständigkeit deuten und vor der Beimischung von Schwarz als Symbol der Untreue warnen. Der Sprecher wird schläfrig und denkt, das Schiff sei ein idealer Ort für edle Frauen, fern von übler Nachrede. Zwischen Wachen und Schlafen hört er das Murmeln einer Männer- und einer Frauenstimme, folgt ihnen auf eine nahe Insel und verbirgt sich, um ein Streitgespräch zwischen einem Ritter und einer Dame zu belauschen.

C Streitgespräch (96–436)

Die Dame spricht emotional, der Ritter eher gemäßigt, wenn auch mit hartem Ton. Sie lobt seine jüngsten ritterlichen Taten und bittet ihn um Belehrung, ob Frauen- oder Männertreue vollkommener sei. Der Ritter behauptet, Männer seien treuer, da sie größere Belastungen auf sich nähmen, und spielt auf weibliche Untreue an. Die Dame weist dies zurück und argumentiert, Frauen könnten aufgrund ihrer schwächeren Natur ihre Liebe nicht offenbaren und litten daher stärker. Männer hingegen prahlten und deuteten harmlose Gesten über. Der Ritter hält dagegen, Männer riskierten Besitz und Leben im Frauendienst, während Frauen leicht beeindruckt seien von oberflächlichen jungen Männern. Die Dame entkräftet dies, indem sie ritterliche Bewährung als Selbstinszenierung deutet und sich selbst als Beispiel weiblicher Opferbereitschaft anführt. Der Ritter bringt den Gegensatz zwischen Rittern, Geistlichen und Handwerkern ins Spiel und behauptet, Frauen bevorzugten die letzteren. Die Dame erklärt, sie spreche von wahrhaft Liebenden, nicht von »nichtsnützigem Volk«. Sie führt aus, dass Ritter aufgrund ihres unsteten Lebens gar nicht treu sein könnten, während Frauen durch ihr häusliches Leben beständiger seien. Zudem verberge weibliche Treue sich im Herzen und werde aus Angst vor übler Nachrede nicht ausgesprochen. Schließlich erkennt der Ritter sein Unrecht an, erklärt sich zum Gefangenen der Dame und bittet um Fesseln. Die Dame nimmt ihn beim Wort, fesselt ihn, treibt ihn wie eine Gans auf das blaue Schiff und will ihn weit fortführen. Ihre Rolle als strafende Richterin und Herrin des Schiffes weist sie als Personifikation der Beständigkeit aus.

D Schluss (437–480)

Der Sprecher bricht ebenfalls auf und reflektiert das Gehörte. Er stimmt der Dame zu, dass man an der Treue der Männer betrogen sei und allein die Treue der Frauen zähle. Er fordert alle Männer auf, diese Lehre weiterzugeben, und ruft sie dazu auf, sich an reine Frauen zu halten und auf deren Treue zu vertrauen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 670-672)