Liebe und Schönheit (Peter Suchenwirt) (B413)
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Liebe und Schönheit (B413) | |
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| AutorIn | Peter Suchenwirt |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1454 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 4, 228r-230v München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 270, 68v-71r München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 379, 31v-34r Salzburg, Stiftsbibliothek St. Peter: b IV 3, 37v-41r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 677-679 |
Inhalt
A Prolog (1–15)
Der Sprecher erklärt seine eigene Begrenztheit und kündigt an, den Mai zu preisen, indem er zwar auf traditionelle dichterische Muster zurückgreift, zugleich aber etwas Neues schaffen will. Das Dichten erscheint ihm als ein schwer zu beschreitender Weg, dessen richtige Spur er erst finden muss. Sein hoher Anspruch zeigt sich in einem bewusst ausgeschmückten Stil.
B Spaziergangseinleitung (16–85)
Am Morgen gelangt der Sprecher zu einem idealisierten Naturort mit Quelle, Wiese, Blütenfülle, Duft und Vogelgesang. Die farbigen Blumen umwerben den Mai, die Vögel singen kunstvoll. Auf zwei Wegen nähern sich zwei Damen, weshalb sich der Sprecher hinter einer Linde verbirgt. Ihre höfische Begrüßung und ihre strahlende Erscheinung lassen den Wald wie in Flammen stehen. Eine detaillierte Schönheitsbeschreibung folgt, die beide Damen gleichermaßen betrifft. Sie nennen sich ›Schönheit‹ und ›Liebe‹ und setzen sich gemeinsam an die Quelle.
C Belauschtes Streitgespräch (86–133)
Die Schönheit fordert, als Vornehmere zuerst trinken zu dürfen. Die Liebe widerspricht und verlangt Bedienung durch die Schönheit. Ein wechselseitiger Anspruch auf den ersten Trunk strukturiert das Streitgespräch. Die Schönheit rühmt ihre Kraft, Mut zu verleihen und höfische Freuden hervorzubringen, während die Liebe angeblich nur Traurigkeit bringe. Die Liebe entgegnet, Schönheit sei vergänglich und spende weder Trost noch Erlösung; zudem verstehe die Schönheit nichts von der Liebe, die im Innersten der Menschen wirke und deren Denken forme. Die Schönheit reagiert mit Beschimpfungen und klagt über die Unruhe, die die Liebe stifte. Die Liebe führt diesen Hass darauf zurück, dass sie Herzen zähme, verbinde, Treue stifte und Hoffnung schenke.
D Schiedsspruch (134–146)
Frau Minne tritt hinzu, um den Streit zu schlichten. Beide reichen ihr bereitwillig die Hand. Sie urteilt, dass die Schönheit zwar den Blick anziehe, dadurch aber der Liebe zum Sieg verhelfe. Da Schönheit die Liebeshingabe schwäche, gebühre der Liebe der Vorrang. Die Liebe trinkt zuerst und reicht dann der Schönheit den Becher. Anschließend verschwinden alle drei Damen im Wald.
E Epilog (147–160)
Der Sprecher gesteht, den Grund der Versöhnung nicht zu verstehen, bestätigt aber in eigenen Überlegungen die Übermacht der Liebe: Sie könne die Wahrnehmung so verwandeln, dass selbst etwas Dunkles hell erscheine. Liebe sei das Band, das Treue verbinde. Der Text endet mit einer Bitte um göttliche Gnade und der Autorsignatur.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 678f.)