Der Minner und der Kriegsmann (B419)
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Der Minner und der Kriegsmann (B419); The lover and the soldier | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung 1425 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Karlsruhe, Badische Landesbibliothek: Donaueschingen 104, 88ra-89ra [1] Heidelberg, UB: Cpg 313, 316r-318v [2] |
| Ausgaben | Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 302-308; Ridder, Klaus/Ziegeler, Hans-Joachim (Hg.): Deutsche Versnovellistik des 13. bis 15. Jahrhunderts, Band 4, S. 111-117 |
| Übersetzungen | Ridder, Klaus/Ziegeler, Hans-Joachim (Hg.): Deutsche Versnovellistik des 13. bis 15. Jahrhunderts, Band 5, S. 456 |
| Forschung | Klingner, Jacob: Der Minner und der Kriegsmann; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 694f. |
Inhalt
A Einleitung (1–9)
Ein Söldner, der nach Dienst sucht und als tumb bezeichnet wird, trifft auf der Straße einen prächtig ausgerüsteten fremden Reiter.
B Streitgespräch (10–165)
Auf die Frage nach seinem Ziel erklärt der Reiter, er reite zu einem Hof, weil dort eine Versammlung angekündigt sei. Der Söldner erkundigt sich, ob er dort Kriegsdienst finden könne. Der Reiter – nun als Minner bezeichnet – erklärt, er reite nicht wegen materiellen Lohns, sondern im hohen Mut des Frauendienstes, um Damen und besonders seiner Geliebten durch ritterliche Leistungen zu gefallen. Auf Nachfrage gesteht er, dass der Lohn allein von der Gunst der Geliebten abhänge und je nach Glück Freude oder Leid bringe; manche würden sich schon mit einem einzigen guten Wort pro Jahr zufriedengeben. Der Söldner verspottet ihn, da er nur um Lob diene und nicht um verlässliche Entlohnung, und erinnert an Herren, die viel versprochen, aber nie gezahlt hätten. Der Minner betont, Frauendienst geschehe zusätzlich zum Herrendienst und veredle den Charakter. Als er sagt, er eile ständig an den Hof, fragt der Söldner, ob ihm eine Dame helfe, wenn er verarme. Der Minner verneint und gibt zu, dass die Dame ihn dann verlassen und einen anderen nehmen würde. Der Söldner wundert sich, warum er dennoch im Minnerorden bleibe. Der Minner erklärt, materielle Not sei ihm gleichgültig, solange er an die Geliebte denke. Der Söldner bricht das Gespräch ab: Er wolle in den Krieg ziehen, um sich für den Winter zu rüsten, und könne den Frauendienst, der Vermögen verschlinge und am Ende im Stich lasse, nicht ernst nehmen. Für ihn ist Dienst nur als bezahlter Kriegsdienst sinnvoll.
C Schluss (166–168)
Ein Ich-Sprecher berichtet, er habe sich höflich verabschiedet und wisse, wem von beiden es besser ergangen sei – doch bleibt dieses Urteil unausgesprochen, sodass der Text offen endet.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 670-672)