Der Tugenden Schatz (Meister Altswert) (B431)

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Der Tugenden Schatz (B431)

AutorIn Meister Altswert
Entstehungszeit Überlieferung vor 1410
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 192r-216r
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 355, 75r-106r
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 358, 40r-66r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jakob: Meister Altswert; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 728-732

Inhalt

A Winter (1–40)

Die Minnerede eröffnet mit einer ausführlichen Winterbeschreibung: Kälte, Nebel, Reif, Schnee, verstummte Vögel, verwelkte Blumen und kahle Bäume bestimmen das Bild. Ergänzt wird dies durch weitere Szenen des Mangels und Rückzugs: hungernder Wolf, stillstehende Mühle, frierende Arme, Zugvögel in warme Länder, Schnecke im Haus, schlafende Würmer, Wildschweine außerhalb des Waldes.

B Minneklage (41–80)

Der Sprecher beklagt sein Liebesleid, das eine vornehme Frau verursacht habe und das schmerzlicher sei als der Winter. Er beschreibt Minnekrankheit, Schlaflosigkeit, das Wohnen der Dame in seinem Herzen, das Kleid des Leids, das Feuer der Sehnsucht und den Rost des Leidens. In einer Apostrophe bittet er die Geliebte, min G, um Hilfe. Der rätselhafte Hinweis auf das „mittel teil“ ihres Namens wird erst später aufgelöst.

C Lob der Geliebten (81–147)

In kunstvoller, bildreicher Sprache preist der Sprecher die Geliebte. In einer langen anaphorischen Reihe, eingeleitet durch Du bist, nennt er sie Wurzelsaft seines Trostes, Stamm seines Glücks, Ast seiner Lust, Blüte seines Trostes, Bach des Heils, Spiegel, Edelstein, Schatz, Stern, Paradies und Engel. Sie, Edel G, solle über ihn verfügen; ohne sie sei er verloren. Kurz wechselt die Szene zu einer Ich-Erzählung vom Mai, der nach dem Winter eingekehrt sei.

D Spaziergang (148–260)

Der Sprecher wandert im Mai in die Natur, erfreut sich an Blumen, Wald und Vogelgesang und dankt Gott für den Stimmungswandel. Ein Duftteppich aus Rosen, Lilien und Veilchen begleitet ihn. Er folgt einem Pfad entlang einer Quelle, verirrt sich und findet ein Zauberkraut, das ihn acht Tage nährt. Ein „Martinsvogel“ führt ihn schließlich in ein Gebirge zu einer Höhle, die von einem Zwerg bewacht wird.

E Gespräch mit dem Zwerg und Initiation in den Venusberg (261–581)

Der Zwerg fragt nach seiner Herkunft; der Sprecher nennt sich Nieman. Der Zwerg erklärt, er habe den Vogel ausgesandt, und kündigt an, dass zwölf ehrbare Damen auf ihn warteten. Durch ein magisches Wort öffnet sich der Berg, und der Sprecher tritt in eine prächtig geschmückte Höhle. Er erhält Kleidung und ein Zimmer und wird in das Hofgesinde der beiden Kaiserinnen Venus und Ehre aufgenommen. Der Zwerg erläutert die Erkennungszeichen der zehn Königinnen: fünf Jungfrauen der Venus in Grün mit goldenen Initialen, fünf Jungfrauen der Ehre in Rot mit kostbaren Buchstaben am Ärmel. Der Sprecher sieht zwei himmlische Paläste, in denen die Kaiserinnen residieren, und gesteht, dass er noch glücklicher wäre, wenn seine Geliebte G hier wäre.

F Höfische Spiele (582–691)

Der Sprecher tritt aus dem Berg in eine paradiesische Maienlandschaft. Viele Paare in rot-grünen Kleidern tanzen und spielen. In einer langen anaphorischen Reihe werden 54 Vergnügungen genannt, darunter Kosen, Rosenbrechen, Schach, Wurfzabel, Blinde Kuh und zahlreiche weitere Spiele. Trotz der Freude bleibt der Sprecher traurig, da nur die Anwesenheit seiner Geliebten ihn wirklich erfreuen könne. Der Zwerg führt ihn zu den Kaiserinnen und Königinnen.

G Belauschte Klage im Zelt der Personifikationen (692–794)

Der Sprecher belauscht im prächtigen Zelt die Klagen der Tugendgestalten. Venus verflucht Betrüger; Ehre stimmt zu. Liebe beklagt das Verschwinden rechter Minne; Beständigkeit ihre Verdrängung; Treue ihre Misshandlung; Zuversicht den Verlust aller Hoffnung; Trost den Verlust des Trostes; Ehre ihre Unterdrückung; Würde die allgemeine Verrohung; Maß den Verlust des rechten Maßes; Zucht die Rücksichtslosigkeit; Furcht das Verschwinden der Scham; Scham die Überwucherung der Welt durch Schande.

H Gespräch mit den Personifikationen (795–977)

Die Damen bemerken den Sprecher und lassen ihn holen. Sie berichten, sie hätten in den deutschen Landen nach einem Menschen ohne Schande gesucht. Der Sprecher lobt seine Geliebte in einer ausführlichen Beschreibung und nennt den mittleren Buchstaben ihres Namens, G. Venus und die Königinnen freuen sich, da sie diese Frau seit Kindheit an erzogen hätten.

I Abschiedsgeschenk (978–1151)

Venus beschreibt die Krone, die die Geliebte erhalten soll: zwölf Zacken mit Edelsteinen, die jeweils eine Tugend repräsentieren. Ein Verstoß gegen eine Tugend lässt den entsprechenden Zacken brechen. Der Sprecher soll die Krone überbringen. Venus holt sie aus einem Schrein, segnet den Sprecher und weist ihm den Rückweg. Der Zwerg begleitet ihn hinaus und erklärt den Weg nach Hause.

J Gespräch mit der geliebten G (1152–1309)

Der Sprecher ist plötzlich bei seiner Geliebten, die ein Engelskleid trägt. Er berichtet ihr vom Land der Königinnen und von der Krone. Bevor er sie übergibt, verlangt er das Versprechen, die Tugenden zu bewahren. G beruhigt ihn, verspricht ehrenvolles Verhalten und erschrickt zugleich vor dem Glanz der Krone, dankt ihm aber voller Freude.

K Lob der Geliebten und Liebesbekenntnis (1310–1426)

Der Sprecher erneuert sein Treuebekenntnis und preist die Geliebte in einem Edelsteinkatalog: Karfunkel, Smaragd, Saphir, Diamant, Kalzedon, Topas. Es folgen Feuerbilder, Unterwerfungsmotive und Lichtmetaphorik: Ihre Zuwendung vertreibe seine Finsternis.

L Lyrischer Schluss (1427–1468)

In metrisch veränderter Form (Binnenreime) wiederholt der Sprecher seine Liebesbeteuerungen. Der Abschnitt endet mit einem Amen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 728-732)