Der Liebende vor Frau Ehre (B435)

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Der Liebende vor Frau Ehre (B435)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung 15. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 1107, 122r-127v
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 392r-396v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Der Liebende vor Frau Ehre; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 744f.

Inhalt

A Spazierritt (1–50)

Obwohl sich alle Geschöpfe an der Maiennatur erfreuen, bleibt der Sprecher bedrückt. Um sich aufzuheitern, reitet er aus und gelangt in einen Locus amoenus mit Wald, Blumen, Vogelgesang und zahlreichen, teils exotischen Tieren wie Falkenterzen, Affen, Steinbock und Einhorn. Er beobachtet Hirschjagden und andere höfische Spiele. Ohne zu wissen, wo er sich befindet, reitet er weiter und erreicht eine große, schöne Wiese, die von einem Baumhag und einem Graben umgeben ist. Dort begegnet er einer jungen Dame.

B Gespräch mit der jungen Dame am Tor (51–84)

Die Dame fragt nach seiner Herkunft und erklärt, noch nie einen Mann hier gesehen zu haben. Nachdem der Sprecher sich erinnert, dass er sich verirrt hat, bittet er um Wegweisung. Die Dame fordert ihn auf zu warten, kehrt zurück, befiehlt ihm abzusteigen und zur Königin zu gehen. Sein Schwert wird ihm abgenommen, und das Tor zur Wiese wird mit großer Freude geöffnet.

C Gespräch mit der Königin (85–271)

Der Sprecher beschreibt die prachtvolle Szene: Die Königin sitzt unter einer Linde, umgeben von kostbar gekleideten Damen und exotischen Tieren. Die Frauen singen und schenken dem Sprecher freundliche Blicke, die ihn trösten. Die Königin begrüßt ihn und erkundigt sich nach seinem Leid. Er gesteht, dass er wegen seiner Dame leidet, ihr seine Liebe aber aus Furcht vor ihrem Unwillen nicht gestehen könne. Die Königin fragt, ob die Dame seine Liebe bemerkt habe; er glaubt, sie müsse es wissen, doch sie entziehe sich ihm stets und spreche nicht mit ihm. Auf die Frage, was ihn zu ihr dränge, verweist er auf den Einfluss der Planeten, besonders der Venus, die ihn zwinge, ihre Schönheit über alles zu lieben. Die Königin erkundigt sich nach der Würdigkeit der Dame, und der Sprecher preist sie überschwänglich als Krone aller Frauen, voller Tugend und Freude spendender Anmut. Ihr einziger Fehler sei, dass ihre Freundlichkeit sein Herz schwäche und ihn sprachlos mache. Die Königin rät ihm, nicht zu verzagen, sondern der Dame seine Not zu offenbaren, sich ihren Geboten zu unterwerfen und ihr mitzuteilen, dass er nur für sie lebe. Eine Frau guter Herkunft werde sich ihm dann zuwenden. Der Sprecher dankt glücklich für diesen Rat. Auf die Frage nach dem Namen der Geliebten antwortet er umschreibend, sie sei weithin bekannt und man müsse ihr überall im deutschen Land den Zehnten entrichten.

D Schlussszene (272–281)

Der Sprecher verabschiedet sich. Die Königin reicht ihm die Hand, befiehlt ihn Gott und nennt sich Frau Ehre. Mit dem Wunsch, dass er erhalte, wonach sein Herz verlangt, entlässt sie ihn. Der Sprecher findet sein Pferd, steigt auf und reitet nach Hause.

(ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 744f.)