Die sechs Kronen (B437)

Aus Brevitas Wiki
Version vom 11. März 2026, 20:29 Uhr von Silvan Wagner (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die sechs Kronen (B437)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab erste Hälfte 15. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 2370, 74r-80r
Wiesbaden, Hauptstaatsarchiv: Abt 3004, B 25, 72vb-74vb
Würzburg, Universitätsbibliothek: M. ch. f. 38, 133v-141r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Die sechs Kronen; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 751-753

Inhalt

A Prolog (1–18)

Die Rede eröffnet mit dem Hinweis auf das Wissen der Alten, die Tugenden als Kleid allegorisiert hätten: Zucht als Mantel, Schamhaftigkeit als Gürtel, Verständigkeit als Kranz, Maßhalten als Spange und Verschwiegenheit als Edelsteinring. Jede Frau solle so gekleidet sein. Der Sprecher kündigt ein Gleichnis an, das den Frauen als Vorbild dienen soll.

B Rahmenerzählung (19–112)

Auf einem Spaziergang gelangt der Sprecher ins Gebirge und sieht einen Zwerg mit goldener Krone, der auf einer gesattelten Gemse davonreitet. Er verfolgt ihn durch eine eisenbeschlagene Tür in eine marmorne, prachtvolle Burg. Ein Mädchen führt ihn in einen Saal zur Königin, vor der er niederkniet. Auf ihre Frage nennt er „deutsche Lande“ als Herkunft. Rechts und links vom Thron hängen je sechs goldene, edelsteinbesetzte Kronen. Der Sprecher lobt Hof und Hofstaat; die Königin bestätigt dies stolz, obwohl Ritter und Damen zwergenhaft sind. Dann fragt er nach der Bedeutung der zwölf Kronen.

C Auslegung der Kronen (113–343)

Die Königin erklärt in streng schematischer Form die Bedeutung der zweimal sechs Kronen. Die sechs Kronen zur Rechten belohnen Tugenden der Frau: Treue und Beständigkeit; tugendsames Handeln gegenüber Gesinde und Ehemann; Zucht; Schamhaftigkeit und kluges Verhalten; Mäßigung; Wahrhaftigkeit. Die sechs Kronen zur Linken bezeichnen dieselben Tugenden beim Mann: Treue ohne Argwohn; Zucht als Mittel der Werbung; tugendsames Handeln zur Wahrung der Ehre der Damen; Schamhaftigkeit und Ehrbarkeit; Mäßigung, besonders in der Rede; Wahrhaftigkeit. Jede Tugend wird mit stereotypen Wendungen erläutert und als Grundlage ehrenvollen Verhaltens dargestellt.

D Fortsetzung der Rahmenerzählung (344–377)

Die Königin beklagt die Geringschätzung der Tugenden, was der Erzähler bestätigt. Sie nennt sich „die alte Ehre“ und verweist auf den Hof der „Neuen Ehre“ im finsteren Tal, wo Untugend herrsche. Der Erzähler verabschiedet sich von Königin und Hofstaat, reitet davon, dankt der Gottesmutter und bittet um ihren Schutz.

E Epimythion (378–388)

Die Tugenden werden abschließend noch einmal aufgezählt. Der Sprecher richtet eine mahnende Anrede an Jungfrauen und Frauen. Die Rede endet mit der Schlussformel: „Hie mide min rede sal ende sin.“

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 751-753)