Minne und Pfennig (Der elende Knabe) (B450)
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Minne und Pfennig (B450) | |
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| AutorIn | Der elende Knabe |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1459 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg. 4, 225v-228r Innsbruch, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum: 32001, 17ra-18rb Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 134va-135va Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. K 408, 5v-7r Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum: Hs. 5339a, 272r-280r Pommersfelden, Gräflich Schönbornsche Schlossbibliothek: Cod. 54, 11r-13r Straßburg, Stadtbibliothek: Cod. A 94, 22-23 (verbrannt) Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2885, 24ra-26rb |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Minne und Pfennig; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 790-793; Reichlin, Susanne: Ökonomien des Begehrens, Ökonomien des Erzählens, S. 37, 117-123, 125-127, 130, 137, 146, 162, 217f., 231; Ziegeler, Hans-Joachim: Erzählen im Spätmittelalter, S. 73 A. 40, 80 A. 20 |
Inhalt
A Belauschtes Streitgespräch (1–189)
Der Sprecher beobachtet, wie Liebe und Pfennig auf einer Brücke um den Vortritt streiten. Der Pfennig prahlt, die ganze Welt diene ihm, während die Liebe auf die lange Dauer ihrer Herrschaft und die Opferbereitschaft ihrer Diener verweist. Sie schildert ihre heilenden, verwandelnden und beglückenden Kräfte und erklärt, dass selbst jene, die dem Geld nicht dienen dürfen oder können, ihrer Macht unterworfen seien. Der Pfennig kontert mit einem eigenen Machtkatalog: Weltliche und geistliche Autoritäten seien ihm verpflichtet, er stifte Freude, treibe die Menschen an und bestimme religiöse wie gesellschaftliche Verhältnisse. Geld sei heute das höchste Gut, werde mehr verehrt als Gott, und sogar die Liebe sei käuflich geworden. Er droht, sich den Vorrang mit Gewalt zu nehmen, stößt die Liebe von der Brücke und unterbricht so ihren Widerspruch.
B Rettung von Frau Liebe (190–282)
Der Sprecher zieht die ins Wasser gestürzte Liebe heraus und hält sie zunächst für tot, bis sie erwacht und ihn bittet, sie in ihr Zelt in der Wildnis zu bringen. Er schwört dem Pfennig Rache und empfindet zugleich Freude darüber, ihr dienen zu dürfen. Unterwegs klagt die Liebe, der Pfennig habe sie und andere Tugenden aus der Welt vertrieben. Im Zelt erscheinen die übrigen Tugenden, hören ihren Bericht und danken dem Sprecher für die Rettung.
C Klage der Tugenden (283–565)
Die Tugenden treten nacheinander vor und beklagen, wie der Pfennig sie verdrängt und ihre Stellung in der Welt zerstört habe. Ehre kritisiert die allgemeine Bevorzugung des Geldes gegenüber der alten ritterlichen Hingabe. Gerechtigkeit klagt, dass der Pfennig nun über Recht und Unrecht entscheide und alle Rechtspersonen sich ihm zuwendeten. Weisheit bemängelt, dass Reichtum für Klugheit gehalten werde und Geld die Weisen korrumpiere. Tüchtigkeit beklagt, dass am Hof Betrug mehr gelte als Sachverstand. Adel erinnert daran, dass wahrer Adel in Tugend bestehe, und verurteilt die Beteiligung des Adels an Geldgeschäften. Geistlichkeit schließlich beklagt den Ausverkauf geistlicher Ämter und Sakramente sowie die weltliche Lebensweise der Kleriker. Liebe dankt ihnen knapp für ihre Worte.
D Botenauftrag (566–636)
Die Tugenden fragen den Sprecher, ob Hoffnung auf ihre Rückkehr bestehe. Er antwortet pessimistisch, da Fürsten, Städte und Länder sich nicht für Wucher und Raub schämten. Dennoch würde er für ihre Wiederherstellung sogar seine Sprachkraft hingeben. Die Tugenden beauftragen ihn, ihr Leid in der Welt zu verkünden. Er sagt zu, bleibt aber zweifelnd. Beim Abschied erklärt Liebe, er solle die Geschichte weitertragen, und segnet ihn.
E Schluss (637–688)
Der Sprecher hofft, den Auftrag erfüllen zu können, und richtet seine Mahnung besonders an die Herrschenden, denen er die größte Verantwortung für den Verfall zuschreibt. Er erinnert sie an ihre Rechenschaft vor Gott und fordert die Wiederherstellung der alten Ordnung. Der Text endet mit einem Segen für alle, die nach Ehre streben.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 790-793)