Die Minne vor Gericht (Peter Suchenwirt) (B453)
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Die Minne vor Gericht (B453) | |
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| AutorIn | Peter Suchenwirt |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1400 |
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| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 13045, 29-42 Neidensteiner Hs. (verschollen), 3b |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 798-800 |
Inhalt
A Spaziergangseinleitung und Begegnung mit einem Zwerg (1–106)
Der Sprecher gelangt auf ein weites Feld voller bunter Blumen und beschreibt den Übergang vom Winter zum Mai, der die Natur befreit. Obwohl er sich zum Dichten angeregt fühlt, betont er seine geringe Beredsamkeit. Ein schmaler Pfad führt ihn in ein wildes Gebirge, wo ihm nach einer Gottesanrufung ein Zwerg begegnet, der erstaunt ist, hier einen Menschen zu sehen. Er berichtet vom Minnegericht der Frauen Staete und Gerechtigkeit, die stets unparteiisch urteilen. Nachdem der Zwerg in einer Felswand verschwindet, folgt der Sprecher seiner Wegweisung und durchquert eine dornige Grenze zur Anderwelt, die ihm Haut und Kleidung zerreißt, bevor er auf eine vom Mai geschmückte Wiese gelangt.
B Beschreibung des Zelts und Auftritt der klagenden Frau Minne (107–196)
Der Sprecher entdeckt ein strahlendes Zelt, dessen Glanz ihn an den Engel des Paradieses erinnert. Aus dem Gebüsch beobachtet er die prachtvolle Ausstattung: ein saphirblaues Samtdach mit goldenen Mustern und Edelsteinen, perlenbesetzte Zeltspitze, goldene und seidene Schnüre sowie ein Elfenbeinthron mit Tierreliefs und Blumenornamenten. Darauf sitzen die herrlich gekleideten Damen Staete und Gerechtigkeit, deren Schönheit nach klassischem Schema beschrieben wird. Dann hört er die verzweifelte Klage von Frau Minne, die sich nach dem Tod sehnt und sich in ihrer Verzweiflung selbst verletzt. Ihr folgen Maße, Zucht, Scham und Bescheidenheit, die gemeinsam zum Zelt eilen, wo das Minnegericht stattfindet.
C Minnegericht mit dem Sprecher als Verteidiger (197–337)
Im Zelt eröffnet Frau Minne ihre Klage: Freude und Zucht seien verschwunden, da ihre Treue mit Untreue vergolten werde und sie nirgends mehr Zuflucht finde. Gerechtigkeit wirft ihr vor, selbst schuld zu sein, weil sie treue Diener vernachlässige und sich von falschen Worten täuschen lasse. Frau Minne ruft den Sprecher als Verteidiger, der trotz bescheidener Selbsteinschätzung ein Loblied auf sie anstimmt und erklärt, nicht die Minne, sondern die Ungetreuen verursachten das Leid. Die weiteren Tugenden stimmen ein und verurteilen die Ungetreuen mit drastischen Strafen: Schande, Verlust von Besitz und Leben, Fluch statt Segen, ein kurzes und leidvolles Dasein und völlige Unfähigkeit zur wahren Minne. Am Ende freut sich Frau Minne über das Urteil, und ihre Verzagtheit weicht.
D Segenswunsch (338–341)
Der Sprecher schließt mit einem Segenswunsch für alle, die die Minne mit Zucht und unverbrüchlicher Treue begehren, und erbittet ihnen Gottes Heil.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 798-800)