Der Minne Gericht I (B460)

Aus Brevitas Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Der Minne Gericht I (B460)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1455
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 393, 20v-37r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Der Minne Gericht I; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 820-823

Inhalt

A Spaziergangseinleitung (1–25)

Aus Kummer wandert der Sprecher an einem Maimorgen in eine Aue, die er als farbenprächtigen Locus amoenus beschreibt; „durch verdriezen“ sei er hinausgegangen, und an einer Quelle begegnet er einer Dame.

B Gespräch mit der Dame (26–137)

Der Sprecher begrüßt die Dame, die erklärt, sie sei aus demselben Grund hier: um Liebesleid zu vertreiben, denn „durch Waffen der Untreue“ sei sie tödlich verwundet. Sie erzählt, ein Ritter habe sie trotz ihrer Treue und Fürsorge mit einer Frau aus Flandern betrogen, und ihre „Afterreue“ sei unermesslich. Der Sprecher bietet Trost und Rat an, doch die Dame setzt ihre Hoffnung vor allem auf Frau Minne, die sie bald beraten wolle.

C Frau Minne im Gespräch mit Dame und Sprecher (138–332)

Die Dame bittet Frau Minne, der Sprecher möge ihre Klage vortragen, und dieser schildert ausführlich ihr Leid. Minne rät der Dame, den Ritter aufzugeben, da er „varnde hab“ sei, und sich dem Sprecher zuzuwenden. Der Sprecher verspricht Hilfe und rät, den Ritter zu vergessen und sich neuen Freuden zuzuwenden. Die Dame widerspricht und will ihrer Treue treu bleiben. Als sie Minne erneut um Rat bittet, bestätigt diese den Sprecher: Die Dame solle sich wieder der Freude öffnen, denn „ir muegt wol an ain andriu stat | ewern schragen zuo besserm markt setzen“.

D Frau Staete (333–427)

Frau Staete erscheint und rät der Dame, gerade in ihrem jungen Alter einen treuen, ritterlichen Mann zu wählen und nicht an einem „schnoeden“ festzuhalten. Die Dame zweifelt, doch Sprecher, Minne und Staete ermutigen sie, Vertrauen zu fassen. Schließlich kündigen Minne und Staete an, dass ein Minnegericht über den untreuen Ritter entscheiden werde.

E Minneprozess gegen den untreuen Mann (428–623)

Frau Minne ruft die Tugenden zusammen und nennt den Angeklagten: den Ritter „von Wankelstein zu unstetem Fels in Falscheneck“. Die Damen reagieren empört und verlangen seine Anwesenheit. Die Dame bittet, der Sprecher solle ihre Klage vortragen, und Minne ernennt ihn zum Anwalt. Er berichtet von der Liebe der Dame und dem Betrug des Ritters. Dieser erscheint in blauer Kleidung und wählt Frau Zucht als Verteidigerin. Der Sprecher legt einen Liebesbrief vor, in dem der Ritter seine ewige Treue geschworen hatte: „dar inn vint man siner untrúw vil“.

F Liebesbrief des Ritters (624–672)

Der Sprecher zitiert den Anfang des Briefes, in dem der Ritter seine Hingabe, seine Bereitschaft zum Tod, seine wachsende Liebe und seine ritterlichen Dienste bekennt und Gott bittet, die Vereinigung mit der Dame zu ermöglichen.

G Fortsetzung von E (673–835)

Der Sprecher erklärt den Brief zum Beweis des Treuebruchs. Frau Zucht trägt die Verteidigung vor: Der Ritter gestehe alles ein und bitte um Strafe und Vergebung. Die Tugenden sprechen nacheinander harte Urteile: Er solle verflucht sein, nie wieder Freude erfahren, aus dem Ritterstand ausgestoßen werden, ein Brandmal tragen, mit Schneckenkorb und Lotterholz durch die Dörfer ziehen und die Finger verlieren, mit denen er falsche Eide schwor. Die Dame fordert zusätzlich, er solle seine blaue Kleidung ablegen. Zufrieden verabschiedet sie sich, dankbar, dass ihr Leid gewichen sei.

H Schluss (836–854)

Die Dame segnet den Sprecher und dankt ihm für seinen treuen Beistand: „hertzelieb solle sein Lohn sein“. Der Sprecher wünscht ihr künftig Liebe und Freude, auch wenn er nicht weiß, ob sie sich erneut verliebt hat.

(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 820-823)