Die alte und die neue Minne (B451)

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Die alte und die neue Minne (B451)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1425
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 191ra-193vb
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Die alte und die neue Minne; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 794-796

Inhalt

A Spaziergangseinleitung / Wallfahrt (1–59)

Die Sprecherin begibt sich mit ihrem Gesinde auf eine dreitägige Wallfahrt und gelangt in einen großen Wald voller Blumen und Vogelgesang. Während die Begleiter Nüsse sammeln, legt sie sich unter die Bäume und schläft ein. Nach dem Erwachen ist sie allein, ruft vergeblich nach ihrem Gefolge und irrt durch Tal, Berg und Wildnis, bis sie ein einsames blaues Häuschen entdeckt.

B Gespräch mit der Alten Minne (60–177)

Im Inneren trifft sie eine alte Dame in blauer Kleidung, die sich als Alte Minne vorstellt und erklärt, sie habe sich in die Wildnis zurückgezogen, weil niemand mehr nach ihr verlange. Ihre blauen Gewänder stünden für Treue und rechte Liebe, während die Neue Minne Unbeständigkeit lehre. Die Alte Minne beschreibt ihre eigenen Ideale: Treue, Dauer, Verschwiegenheit, ritterliche Haltung und Anstand. Da die Neue Minne nun herrsche, schickt sie die Sprecherin zu ihr, gibt ihr einen magischen Brief, der Wege weist und Unsichtbarkeit verleiht, und bittet sie, danach zurückzukehren.

C Reise zur Neuen Minne (178–194)

Die Sprecherin hört vor einem Tannenwald lautes Geschrei, erkennt einige der Anwesenden, nennt aber keine Namen. Unsichtbar gelangt sie zu einem Zelt aus würfelförmigem Stoff, in dem zwei Damen sitzen: die Neue Minne, die in ein Buch schreibt, und Frau Wankelmut, die sie berät.

D Gespräch mit der Neuen Minne (195–363)

Die Neue Minne begrüßt die Sprecherin und erklärt, sie berücksichtige stets die Ratschläge von Frau Wankelmut. Auf das Bekenntnis der Sprecherin, noch keinen Liebhaber gehabt zu haben, antwortet sie spöttisch und empfiehlt mehrere Liebhaber zugleich. Sie preist die Vorteile der Unbeständigkeit, rät zu Betrug, Promiskuität und der Annahme aller Geschenke, während sie tapfere Ritter gering schätzt und tanzfreudige Jünglinge bevorzugt. Die Sprecherin widerspricht und hält an der Vorstellung fest, dass Taten mehr wert seien als Gaben. Die Neue Minne reagiert verärgert, behauptet sogar, das Seelenheil hänge von vielen Liebhabern ab, und segnet die Sprecherin zum Abschied. Diese entscheidet sich endgültig gegen sie.

E Fortsetzung des Gesprächs mit der Alten Minne (364–431)

Zurück bei der Alten Minne berichtet die Sprecherin, deren Rat gefalle ihr besser, da er an frühere Zeiten der treuen Liebe erinnere. Sie verspottet die neue Mode der Liebhaber und verweist auf das Urteil früherer Dichter. Die Alte Minne bestätigt, dass solches Verhalten einst als Unzucht galt, vertraut aber auf eine künftige Besserung. Sie macht die Sprecherin zu ihrer Botin und kündigt einen Gerichtstag an, bei dem Alte und Neue Minne um Gefolgschaft wetteifern sollen. Die Sprecherin soll die Treuen herbeirufen.

F Schluss (432–441)

Die Sprecherin kehrt heim und stellt ernüchtert fest, dass nur wenige Liebende der Alten Minne folgen.

(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 794-796)