Das alte Schwert (Meister Altswert) (B429)

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Das alte Schwert (B429)

AutorIn Meister Altswert
Entstehungszeit Überlieferung vor 1410
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 155v-160r
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 355, 28r-33v
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 358, 1r-5v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jakob: Meister Altswert; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 719-721

Inhalt

A Exposition (1–10)

Der Sprecher beklagt sein Liebesleid und ruft in zwei Anreden Stätikeit und Truwe um Rat und Beistand an. Nur die Geliebte könne ihm Trost verschaffen.

B Gespräch mit Venus (11–238)

Der Sprecher wendet sich an Frau Venus, bittet um Rat und bietet ihr seinen Dienst an. Venus verlangt eine Bekräftigung seiner Bereitschaft; er schwört, ihre Gebote zu halten. Darauf nennt sie einen Tugendkatalog klassischer Minneforderungen: Beständigkeit, Treue, Ehre, Scham, gutes Reden über andere, Demut, Geselligkeit, Dienstbereitschaft, Leidensfähigkeit, Geduld, Freigebigkeit und heimliche Minne. Wer sich daran halte, erhalte ehrenhaften Minnelohn. Venus lobt anschließend die Tugenden der Geliebten und fragt den Sprecher, was er an ihr auszusetzen habe. Der Sprecher antwortet zunächst mit einem umfassenden Lob ihrer Schönheit, ihres Wesens und ihrer Wirkung auf ihn. Venus unterbricht ihn ungeduldig und fordert die eigentliche Klage. Der Sprecher erklärt, die Geliebte lehne ihn ab, weil er bereits in den mittleren Jahren stehe und zu alt für den Minnedienst sei. Er rechtfertigt sein Alter mit seinen ritterlichen Pflichten in fremden Ländern. Wenn man deswegen abgewiesen werde, so meint er bitter, wäre es besser, sich dem Müßiggang zu widmen und jung zu bleiben. Venus reagiert betroffen: Sollte die Dame ihre Würde hinter einem „Affenkleid“ verborgen haben, wäre das beklagenswert, doch sie glaube es nicht, da sie die Dame gut kenne. Sie richtet nun einen Rat an beide: Ältere, erfahrene Männer seien als Liebende geeigneter als junge. Zur Begründung führt sie drei Beispiele an: den jungen Hund, der noch nicht zuverlässig gehorcht; den gezähmten Falken, der dem Wilden vorzuziehen sei; und das alte, bewährte Schwert, das dem neuen überlegen sei. Venus beruhigt den Sprecher: Sie glaube nicht, dass die Dame ihn wegen seines Alters zurückweise. Sollte es dennoch so sein, wie erginge es dann erst viel älteren Männern? Sie verspricht, die Geliebte aufzusuchen und ihr seine Worte zu überbringen. Wenn die Dame sich nach den Geboten der Venus richte, wolle sie dem Paar Treue, Liebe und Freude schenken. Der Sprecher dankt, bekräftigt seinen Minnedienst, beschreibt seine Hingabe und bittet Venus, seine Bürgin zu sein; er verweist darauf, dass in ihrem Buch stehe, er sei frei von Wankelmut.

C Lob der Geliebten mit Bitte um Erhörung (239–268)

In zehn Dreireimen spricht der Sprecher direkt zur Geliebten. Er verbindet Rat, Klage, Lob, Treuebekenntnis und die Hoffnung auf körperliche Erfüllung, indem er sie bittet, ihn in ihren Schoß aufzunehmen.

D Schluss (269–286)

Venus verabschiedet sich und verspricht, die Botschaft des Sprechers der Geliebten zu überbringen. Da er sich bewährt habe, solle er nun seinen Lohn erhalten: Entweder folge die Dame den Bitten der Venus, oder sie müsse auf den Minneorden verzichten. Ohne Antwort des Sprechers endet der Text abrupt mit der Autorsignatur: Meister Altswert habe diese Rede geschaffen.

(Ausführliche Inhaltsbeschreibung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 719-721)