Der Minne Gericht II (B461)

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Der Minne Gericht II (B461)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1455
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 393, 60v-65r
Ausgaben Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 415-422
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Der Minne Gericht II; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 824f.; Ziegeler, Hans-Joachim: Erzählen im Spätmittelalter, S. 73 A. 40. 41

Inhalt

A Spaziergangseinleitung (1–45)

Von Kummer getrieben bricht der Sprecher früh auf und sucht eine Quelle auf, bei der er im Vorjahr „viel Wonne und Freude“ gefunden hatte. Er verirrt sich jedoch und gelangt in ein Tal voller Vogelgesang, wo er einen Jagdhund mit „ain kelpannd mit schellen“ fängt, bis eine schöne Dame nach ihm ruft.

B Gespräch (46–84)

Die Dame bittet ihn, ihr den Hund nicht zu nehmen, da sie schon genug leide, und zeigt ihren von Dornen zerkratzten Fuß: „So sehe ihr ganzer Körper aus.“ Seit sieben Jahren trage sie schweren Herzschmerz und wäre nackt, hätte Frau Staete ihr nicht einen Rock gegeben. Der Sprecher fragt nach der Ursache dieser Strafe, und die Dame beginnt ihre Liebesgeschichte.

C Binnenerzählung / Liebe des Jünglings (85–131)

Ein Jüngling liebt die Dame so sehr, dass er ohne sie nicht leben kann, während sie ihn ignoriert und sogar mit Verleumdung droht. Er bleibt dennoch treu und bittet sie immer wieder, seinen Dienst anzunehmen. Als er schließlich seinen Lohn fordert, gehen beide vor das Minnegericht.

D Binnenerzählung / Minnegericht (132–299)

Im Gericht sitzen unter dem Vorsitz der Venus fünf Damen, erkennbar an den Farben ihrer Kleider: gelb (Ehre), rot (Treue), blau (Staete), weiß (Saelde), bunt (Liebe). Der Jüngling bittet Frau Liebe, seine Anwältin zu sein, und sie klagt die Dame an, die sich Frau Staete als Fürsprecherin wählt. Diese schlägt vor, auf ein älteres Treueversprechen zu verweisen, doch die Dame gesteht stattdessen ihre Schuld. Frau Liebe fordert eine harte Strafe, während Staete und Saelde Milde empfehlen. Nach einem Eid des Jünglings entscheidet Venus, dass die Dame sich auszuziehen und „die Welt zu verlassen“ habe — eine Verbannung in die Wildnis.

E Schluss (300–318)

Die Dame entschuldigt sich beim Sprecher, falls ihre Geschichte ihn bekümmert habe. Beim Abschied ruft sie ihm nach, er solle ihre Geschichte „allen guten Frauen“ erzählen, damit sie die Lehre beherzigen und nicht vergessen.

(Ausführliche Inhaltsangabe in Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 824f.)