Der Minne Lehen (Der Harder) (B464)

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Der Minne Lehen (B464)

AutorIn Der Harder; Konrad Harder
Entstehungszeit 2. Hälfte 14. Jahrhundert
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 714, 173v-175v, 76v-79v, 175v-182v
Ausgaben Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 430-445
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 831-834

Inhalt

A Exposition (1–17)

Der Sprecher berichtet, wie er über sein Liebesleid nachdachte („Jch saß […] vnd gedaht“) und beklagt, dass „die zornig fraw mein“ ihn nicht erhört, sondern einem anderen den Vorzug gibt; der Dorn ihrer Ungnade verletze ihn tief.

B Spaziergangseinleitung (18–75)

Noch vor Tagesanbruch bricht er auf, zunächst von dem „Schnee seiner Sorgen“ bedrückt, bis sein „Sinn“ ihn auffordert, sich an der Natur zu erfreuen. Er folgt diesem Rat, wandert durch Heide, Rosenhäge und über einen kunstvoll gestalteten Berghang, hört tausend Nachtigallen im Tal und steigt, erneut von Minnesorgen bedrängt, in einen wilden Grund hinab.

C Der Weg zu Frau Minne (76–80, 1–100)

Ein Zwerg, der vor seiner Höhle schnitzt, fragt ihn nach seinem Anliegen. Der Sprecher erklärt, er suche Frau Minne, um gegen eine Frau zu klagen, der er „mit tihten vnd mit gesang“ gedient habe. Der „clain weis man“ weist ihm den Weg zu Minne, die am Bach residiere, und der Sprecher gelangt zu einer prachtvollen Burg aus Rubinen und Karfunkeln, deren Beschreibung seine „kleine Kunst“ übersteige. Ein alter Erzieher führt ihn in einen Saal voller Teppiche, wo Frau Minne thront.

D Frau Minne verleiht Lehen (101–110, 81–126)

Frau Minne sitzt auf einem reich geschmückten Thron und vergibt Lehen an Beständige, Verschwiegenen, ritterlich Dienende und Turnierfahrer. Die verliehenen Güter tragen sprechende Namen wie „Zw helssenperk vnd plickenstain | Vnd küsseneck“ oder „frölich leben vnd grüssen aw“, die den Lohn rechter Minne symbolisieren.

E Schmährede gegen die Ungetreuen (127–184)

Ein Knappe Minnes tritt hervor und prangert die „vngetrewen wihten | Die liegen triegen tihten“ an, die mehreren Frauen Treue schwören und doch unbeständig sind. Er vergleicht sie mit einem Adler und einem „nasweisen hund“ und fordert exklusive Liebe: „An einem lieb genügen schol | Ain liep die lieb ist liebes vol.“

F Urteil von Frau Minne (185–304)

Der Sprecher klagt, seine Dame habe sich einem anderen zugewandt, obwohl er schuldlos sei. Frau Minne fragt nach dem Grund, wird zornig und verhängt harte Strafen: Die Dame dürfe keinen Schmuck, keine Seide, keinen Scharlach mehr tragen, ihre Lippen sollten nicht mehr rot und ihr Hals nicht mehr weiß sein, und sie solle keine Zöpfe mehr flechten dürfen. Als der Sprecher angesichts der bereitliegenden Strafwerkzeuge um Gnade bittet, verweist er auf die „rayne feyne Natur“ der Geliebten, die eine solche Strafe nicht überstehen würde, da sie „So czart, so zart so zart | so zart“ sei. Doch Minne beharrt auf gerechter Vergeltung.

G Schluss (305–323)

Der Sprecher geht fort, weiterhin ein „traurig man“, und wünscht sich nur, seine Dame möge sagen, sie wolle sein Leid wenden. Selbst wenn dies nicht geschähe, würde schon ein solches Wort ihn glücklich machen. Der Text endet mit der Autorsignatur: „Das sein des harders red.“

(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 831-834)