Die Mörin (Hermann von Sachsenheim) (B466)
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Die Mörin (B466) | |
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| AutorIn | Hermann von Sachsenheim |
| Entstehungszeit | 1453 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 1899, 1r-111r Kopenhagen, Königliche Bibliothek: Cod. Thott. 423, 2°, 220r-235v Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 4r-128v London, British Library: MS Add. 10010, 1r-108v Straßburg, National- und Universitätsbibliothek Ms. 2327 (früher L germ. 352.4°), 1r-134v Thorn / Toruń, Universitätsbibliothek: Rps 49/IV, 20-210 Wien, Österreichische Nationalbibliothek: Cod. 2794, 1r-98v Wien, Österreichische Nationalbibliothek: Cod. 2946, 27r-152v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Malm, Mike: Hermann von Sachsenheim; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 840-848 |
Inhalt
1. Tag
A Spaziergangseinleitung (1–40)
Der Sprecher eröffnet mit einer höfischen Captatio und kündigt eine Geschichte über Torheit an. Er schildert, wie er als alter Ritter an einem Sommertag durch den Wald wandert, einem Pfad zur Quelle folgt und dort vor einem blauen Zelt einem alten Mann und einem Zwerg begegnet, beide prächtig gekleidet. Das Aussehen des Alten erinnert ihn an Eckhart vom Venusberg.
B Entführung ins Reich der Königin ›Venus Mynn‹ (41–291)
Auf seinen Gruß wird der Sprecher ohne Erklärung gefesselt, verspottet und in eine Truhe gesperrt. Ein Zaubertrank versetzt ihn in Schlaf, während der Zwerg das Zelt magisch in die Lüfte hebt. Er erwacht auf einer paradiesischen Insel, wird weiterhin unwürdig behandelt und zu einem Feld mit prachtvollen Zelten geführt, wo ein junger Ritter und der Zwerg ihn erneut verhöhnen, bevor er in einen Block geschmiedet wird.
C Erster Auftritt der Mörin Brünhilt (292–439)
Eine außergewöhnlich schöne Mörin erscheint in weißem Prunkkleid und stellt sich als Dienerin der Venus Mynn vor. Sie verspottet Herkunft, Sprache und Glauben des Sprechers, während dieser sich ritterlich verhält. Schließlich lädt sie ihn vor Gericht und übergibt ihn einer großen Wache.
2. Tag
A Erste Gerichtsverhandlung (440–971)
Am Morgen wird der Sprecher unter Spott zum Gericht geführt, verkehrt auf einen Maulesel gebunden und vor Venus Mynn gestellt, die ihn schwer beschuldigt. Priester bringen ein heiliges Buch, und der Sprecher weigert sich, den fremden Gott anzubeten. Eckhart erscheint, übernimmt seine Verteidigung und führt ihn vor die versammelten Schöffen, während die Mörin als Anklägerin auftritt.
B Gerichtsreden und Beratungen der Parteien (972–2719)
Die Anklage wirft dem Sprecher vor, in seiner Jugend einen Treueeid gebrochen zu haben. Die Damen fordern den Tod, während Eckhart mit ritterlichen Rechten und rechtlichen Argumenten widerspricht. Die Mörin beruft sich auf das lokale Gesetz und verlangt die Todesstrafe. Der Sprecher gesteht schließlich Untreue ein, verweist aber auf allgemeine menschliche Schwäche. Als letzter Ausweg appelliert er an die mächtige Kaiserin Aventiure. Die Verhandlung wird vertagt, und die Mörin plant heimlich seine Ermordung.
C Unterredungen der Verteidigung (2720–3249)
Im Zelt beraten Sprecher und Verteidiger über Recht und Religion. Ein langes Gespräch mit heidnischen Boten führt zu theologischen Auseinandersetzungen, die schließlich vom Marschall beendet werden, der zur Einigung auf einen Gott mahnt.
3. Tag
A Gerichtsverhandlungen und Appellation an Frau Aventiure (3250–3871)
Die Verhandlungen beginnen vor Sonnenaufgang. Die Schöffen sind gespalten, zusätzliche Richter werden hinzugezogen, und schließlich wird der Sprecher zum Tod verurteilt. Er appelliert erneut an Aventiure und überzeugt den König, dass alle Macht von ihr ausgehe. Der König bereitet eine Reise zu ihr vor und vertraut den Sprecher Eckhart an.
B Gespräche im Zelt Eckharts (3872–4719)
Beim Essen erzählt der Schreiber vom Venusberg, Eckhart mahnt zur Verschwiegenheit. Es folgen Späße, Fürstenlob, Turniergeschichten und erneute Religionsgespräche. Eckhart erklärt, Frau Schande sei der Venus Mynn ähnlich und werde von vielen getragen.
4. Tag
A Turnier von Frau Schande (4720–5059)
Der Sprecher und Eckhart beobachten die heidnische Prozession und das Turnier. Der Sprecher will teilnehmen, soll aber einen Maulesel reiten. Der König fällt beim ersten Stich und erhält den Kranz der Frau Schande, worauf Venus Mynn das Turnier wütend abbricht und den Sprecher fortschickt.
B Verhandlungen mit dem König (5060–5629)
Die Verteidiger beraten heimlich über eine Lösung. Der Marschall vermittelt erfolgreich, sodass der Sprecher gegen Eid freikommt und die Appellation um ein Jahr verschoben wird. Weitere Gespräche über Religion und Heilkunst folgen, bevor man sich auf einen Tanzabend vorbereitet.
5. Tag
A Eid und Freilassung (5630–5943)
Früh am Morgen wird der Sprecher freigelassen, nachdem er schwört, sich erneut zu stellen. Er wählt Straßburg als Gerichtsstand. Die Göttin fordert ihn nochmals auf, den fremden Glauben anzunehmen, was er verweigert. Die Mörin erscheint zu spät, um die Entscheidung zu verhindern.
B Heimreise zur Familie (5944–6032)
Ein magischer Stein bringt den Sprecher zurück in seine Heimat. Er kehrt zur Quelle zurück, fühlt Erleichterung und findet seine Familie in Sorge. Seine Frau macht ihm Vorwürfe, und er berichtet ihnen von seinen Abenteuern.
C Epilog (6033–6081)
Der Sprecher widmet seine Rede einem Pfalzgrafen und einer Herzogin, datiert das Werk und schließt mit einem allgemeinen Segenswunsch.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 840-848)