Fehde zwischen Amor und Reden (B496)
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Fehde zwischen Amor und Reden (B496) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung erstes Viertel 15. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Mgf. 922, 19va-21vb |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jakob: Fehde zwischen Amor und Reden; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 928-930 |
Inhalt
A Minne als ontologisches Prinzip (1–50)
Der Sprecher entfaltet die Minne als tragendes Grundprinzip von Gott, Kosmos und Leben. Auf ihr ruht die gesamte Schöpfungs- und Heilsgeschichte, die er anhand zentraler Stationen des Alten und Neuen Testaments erläutert. Aus dieser Perspektive leitet er die beiden höchsten Gebote ab: Gottesliebe und Nächstenliebe. Wer sie im irdischen Leben befolgt, dem sei das Himmelreich zugesagt. Ein abschließendes Gebet um göttliche Unterstützung rundet diesen Teil ab.
B Minne von Engeln, Menschen und Tieren (51–122)
Der Sprecher knüpft an seine vorangehende Darstellung der Minne an und unterscheidet drei Formen: die geistige Liebe der Engel, die natürliche Neigung der Tiere und die vernunftgeleitete Liebe des Menschen. Menschen können an allen drei Formen teilhaben – in asketischer Nähe zur Engelminne, in triebhafter Nähe zur Tierwelt oder in der auf Einsicht, Ehre und Tugend gegründeten Liebe, die er als die eigentlich menschliche hervorhebt. Ein umfangreicher Katalog zeigt, welche ritterlich‑höfischen Tugenden diese vernunftgeleitete Minne hervorbringen kann.
C Streit zwischen Amor und Vernunft (123–294)
Der Sprecher kündigt an, den alten und doch stets neu entfachten Konflikt zwischen Amor und Vernunft zu erzählen. Beide teilen sich die Herrschaft über die Welt, doch Amor verlangt Unterwerfung, woraufhin die Vernunft denselben Anspruch erhebt. Amor ruft daraufhin ein gewaltiges Heer zusammen, bestehend aus personifizierten Tugenden und psychologischen Dispositionen, und überzieht das Reich der Vernunft mit zerstörerischer Gewalt. Er erobert nacheinander die Sinnesburgen und schließlich auch das Kastell des Denkens. In dieser ausweglosen Lage gesteht die Vernunft ihrem einzigen Gefährten, dem Willen, dass man Amor zu Beginn des Konflikts hätte entgegentreten müssen, und betont erneut den Unterschied zwischen menschlicher und tierischer Liebe sowie die entscheidende Rolle des Willens.
D Lösung des Konflikts (295–308)
Ein erfahrener, namenloser Ritter stiftet nach ritterlichem Recht Frieden zwischen Amor und Vernunft. Seine Lösung sieht vor, dass Amor in der Jugend mit dem Rat der Vernunft regieren soll, im Alter jedoch selbst der Vernunft untersteht. Beide versöhnen sich und beenden ihre Fehde in gegenseitiger Bescheidenheit. Der Text schließt abrupt mit dem Hinweis, dass allzu langes Reden ungern gehört werde.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 928-930.)