Der Krautgarten (B500)
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Der Krautgarten (B500) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab Mitte 15. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2959, 10r-16v Prag, Knihovna Nárondniho muzea: Cod. X A 12, 170r-175v Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 320v-328r Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 190v-198r Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 355, 147v-155r Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 460r-466r Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 1107, 97r-104v Trier, Stadtbibliothek: 1120/128a 4°, 20v-24r Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 393, 68v-76r |
| Ausgaben | Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 218-246 |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Stridde, Christine: Der Krautgarten; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 937-939 |
Inhalt
A Jagdeinleitung (1–38)
Im Mai stößt der Sprecher, allein auf der Beizjagd nach Fasanen, auf einen Hag, der einen herzförmigen Garten umschließt. Da er weder Tür noch Sichtöffnung findet, sucht er nach einem Zugang und begegnet stattdessen einer schwarz gekleideten, weinenden Frau, die ihn grüßt.
B Gespräch (39–352)
Auf seine Frage nach der Ursache ihrer Trauer und seinem Angebot, ihr zu helfen, klagt die Dame, der Garten sei einst die Wohnstätte von Ehre, Treue und Minne gewesen. Auf deren Rat habe sie einen Gärtner eingesetzt, der versprach, die paradiesische Anlage und ihre Pflanzen zu pflegen. Nun aber sei alles verwüstet: Wohlgemut sei von Wermut überwuchert, Vergissmeinnicht und Gedenk‑an‑Mich seien Nesseln und Dornen gewichen. Sie fürchte den völligen Verlust und schäme sich vor dem Spott anderer, weshalb sie das Äußere des Gartens intakt erscheinen lasse. Auf die Frage nach der Schuld des Gärtners erklärt sie, er hätte zwar wachsamer sein müssen, doch die eigentliche Zerstörung gehe auf Giftschlangen zurück, gegen die selbst größte Vorsicht nicht helfe. Treue, Staete und Minne seien vertrieben, nur Ehre halte noch aus. Der Sprecher rät zu einem neuen, wachsameren Gärtner, doch die Dame lehnt ab: Ihr Unglück sei schicksalhaft, und sie leide trotz bescheidener Wünsche mehr als jene unbeständigen Frauen, deren Gärten vom Unglück verschont bleiben. Der Sprecher entgegnet, dass in deren Gärten ein schädliches Kraut wachse, und mahnt, dass nach einer Enttäuschung neues Wachstum folgen müsse. Sie solle den Garten wiederherstellen oder dem alten Gärtner eine zweite Chance geben. Die Dame verweigert beides, gesteht aber, sich trotz ihrer Abneigung gegen Vergnügungen aufrappeln zu wollen, da sie nichts mehr zu verlieren habe. Sie dankt für die Anteilnahme, der Sprecher versichert ihr seine Dienste und wünscht ihr Ausgleich für ihr Leid. Die Dame fordert statt Entschädigung die Bestrafung der Schlangen, deren Schaden weit über sie hinausreiche. Der Sprecher stimmt zu und berichtet, dass viele dieser Schlangen bereits vernichtet seien, was sie tröstet; sie empfiehlt ihn Gott.
C Schluss (353–359)
Der Sprecher reitet nach Hause und schließt mit einem Segenswunsch: Die Dame möge von jenen erfreut werden, die ihr einst Leid zugefügt haben.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 937-939.)