Die Jagd auf einen edlen Fasan (B502)
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Die Jagd auf einen edlen Fasan (B502); Die Jagd | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung 1483 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2796, 18v-44r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Die Jagd auf einen edlen Fasan; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 941-943 |
Inhalt
A Jagdvorgang und Jagdreflexion (Str. 1–65)
Der Sprecher mahnt hochgestimmte Jünglinge, die edle Kunst der Beizjagd zu bewahren, und erläutert die Erziehung guter Hunde. Mit seinem Hund, der nach viel Übung den edlen Geruch zu erkennen vermag, beginnt er die Suche nach dem, was ihm das Glück gönnt. Verlangen treibt beide an, doch der Mangel an Lockvögeln erschwert die Jagd. Der Gesang des Fasans erfüllt ihn mit Freude, sein Verstummen dagegen mit Schmerz. Er fordert den Hund zur Beherrschung auf, der vor Begierde zittert und weint, und hofft selbst auf die Belohnung seiner treuen Jagd auf den seltenen, zurückgezogen lebenden Fasan. Er preist die Vorzüge seines Hundes, der ohne Hilfsmittel auskommt, Strafe als Liebeszeichen versteht und sein Verlangen zügelt. Der Sprecher will das Wild weder schießen noch fangen, sondern sich an seinem Anblick erfreuen, und grenzt sich von unbeständigen Jägern ab, die töten statt minnegerecht zu jagen.
B Streitgespräch der zwei Jäger (Str. 66–191)
Ein anderer Jäger, den das unerfüllte Verlangen des Sprechers rührt, bietet heimlich seine Hilfe an und preist den Nutzen des Genusses: Ein gebratenes Wild sei besser als zwei im Feld. Der Sprecher weist dies empört zurück und verteidigt eine Jagd aus Liebe und ohne Berechnung. Der zweite Jäger hält seine Haltung für töricht und schädlich, doch der Sprecher sucht nicht Wildbret, sondern Freude. Der andere rät, das Herz zu schützen und sonst alles zu genießen, doch der Sprecher beharrt auf Selbstbeherrschung und einer Jagd ohne Hinterlist. Als der zweite Jäger ihn in seine Fangmethoden einführen will, lehnt der Sprecher ab und verurteilt dessen Treulosigkeit. Schließlich erkennt der andere Jäger die Richtigkeit seiner Lehre, bereut sein früheres Verhalten und bittet um Unterweisung, wie man Unbeständigkeit sühnen könne.
C Jagdlehre und Belehrung des Fasans (Str. 192–278)
Der Sprecher erklärt, man müsse falsche Reue meiden und das Wild nie verletzen, da Reue den Schaden nicht heilen könne. Wer ohne Treue suche, verdiene Fluch. Er klagt über schlechte Jäger, die edlen Wesen schaden, ohne die Folgen zu bedenken. Der bekehrte Jäger verabschiedet sich beschämt und will Buße tun. Nun richtet der Sprecher seine Lehre an den Fasan: Er warnt vor Hinterlist, Habgier und Falschheit, mahnt zu Vorsicht und Scham und betont, dass ein zahmer Fasan seine Würde verliere. Auch solle das Wild seinen Duft bewahren und sich wie die Jäger vom Bösen abwenden. Am Ende nennt der Sprecher die Absicht seines Gedichts – Treulosigkeit zu verhindern – und versichert, künftig all seine Kraft für den Schutz des edlen Wildes und seiner Freiheit einzusetzen. Der Text endet mit der Aufforderung „Waug es“.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 941-943.)