Der Mantel der Ehre (Z55)

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Der Mantel der Ehre (Z55)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung 1405-1408
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Brüssel, KBR: 15589-623, 63rb-64ra
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 1051f.

Inhalt

A Einleitung (1–44)

Ehre, so eröffnet der Text, werde vielerorts höher geschätzt als Gold. In einer Audite‑Formel führt der Erzähler einen Ritter ein, der sich durch Tugend und durch zwölf Jahre erfolgreichen Kampf gegen die Feinde Gottes auszeichnet. Seine Geliebte hat ihn während dieser langen Abwesenheit unablässig unterstützt: Sie verkaufte sogar ihre Kleinodien, um seine ritterliche Bewährung in der Fremde zu ermöglichen. Dafür wurde sie von anderen Damen verspottet und mied schließlich den Hof. Doch die tugendhafte Frau nimmt diese Schmähungen um ihres Mannes willen auf sich und vertraut auf Gottes Hilfe.

B Das Hoffest (45–143)

Der Ritter kehrt eines Tages heim. Beim Anblick des Geliebten fällt die Frau vor Freude in Ohnmacht. Sein Körper ist von Narben gezeichnet, doch er lebt. Zu seinen Ehren richtet der Landesherr ein großes Fest aus. Die Geliebte bittet ihren Mann, sie an diesem Tag vor den Spöttern zu schützen und ihr „Mantel“ zu sein. Er verspricht es. Sie legt ihre alten Kleider an und kündigt an, ihren „Mantel der Ehre“ zu tragen: Ihr Mann sei ihr wertvoller als jede kostbare Kleidung.

Beim Fest erhält der Ritter den Ehrenplatz, doch lässt er seiner Frau beim Händewaschen den Vortritt. Die Hofgesellschaft reagiert empört, dass eine Frau, die zwölf Jahre ferngeblieben ist, so viel Ehre erhält. Der Fürst führt beide an den Tisch, und der Ritter erklärt, seine Frau habe diesen Platz verdient, weil sie ihn treu unterstützt habe. Die Geliebte fordert die Anwesenden auf, ihren „Mantel“ zu betrachten, an dem sie zwölf Jahre gearbeitet habe – ein Bild für ihre Sorge, Treue und Liebe. Diejenigen, die sie verspottet hatten, müssen ihr nun Ehre erweisen.

C Schluss (144–159)

Nach dem Fest verabschiedet sich der Ritter erneut, um weiter gegen die Heiden zu kämpfen. Die Liebenden sehen sich nie wieder. Der Ritter fällt schließlich im Kampf, doch stirbt in großer Ehre. Der Sprecher preist den tapferen Mann, dessen Waffen mit Lasur und goldenen Widderhörnern geschmückt waren, und ruft das Publikum dazu auf, sich seinem Segenswunsch für die Seele des Gefallenen anzuschließen.

(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 1051f.)