Lehren an einen Jüngling (Z80)
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Lehren an einen Jüngling (Z80) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung erste Hälfte des 16. Jahrhunderts |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibiothek: Mgf 755, 5r-9r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Lehren an einen Jüngling; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 1099f. |
Inhalt
A Spaziergangseinleitung (Str. 1; V. 1–8)
Ein Sprecher wandert an einem Maienmorgen voller aventiure, hört Vogelgesang und andere Stimmen, denen er wegen der Klaffer ausweicht. Er macht daraus kein großes Aufheben. Der rätselhafte Refrain über das Leiden mit guten Freunden beschließt die Strophe in leicht variierter Form.
B Begegnung mit einer schönen Frau (Str. 2–5; V. 9–34)
An einem unbestimmten Ort begegnet der Sprecher einer außergewöhnlich schönen Frau. Er verschweigt ihren Namen, betont aber sein trauervolles Herz und deutet seinen Kummer sprichwörtlich an. Die Dame versteht sofort, verspricht ihm ihre ›Kunst‹ und kündigt an, ihn im Leiden mit guten Freunden zu unterweisen. Der Sprecher nimmt an, weiß aber schon, dass ihre Lehre aus Misstrauen, Zweifel und losem Rat bestehen wird.
C Negative Minne- und Tugendlehre (Str. 5–27; V. 35–214)
Die Dame erklärt offen, Minne sei kein Sakrament, sondern Spiel und Ernst zugleich, und wer ihr treu diene, lande auf dem Narrenberg. Sie führt zahlreiche Motive der Minnerede an – Minnejagd, Verschwiegenheit, Klaffer, Wankelmut, huote, Frau/Freude, Minnedienst, Kriemhild, Isolde, Treue, Beständigkeit, Brunnen der Minne, Kränze, Bäume, Farben, Weitergabe des Diskurses – und verwandelt sie ironisch in praktische Alltagsregeln und Redensarten. So wird ›Freudenbringen‹ zur Küchenpraxis, Minnekrankheit durch Verteilung der Liebe entschärft, und gegen weiblichen Wankelmut helfe Vorsicht. Unehrlichkeit solle man mit gleicher Münze vergelten; eine Quellenberufung stützt ihre Aussagen.
D Pointe (Str. 28; 215–222)
Der Sprecher dankt für die Lehre, kehrt sie gedanklich jedoch sofort ins Gegenteil: Er will mit ihren Ratschlägen die Minne bekämpfen, falls sie ihn verwunden sollte, und betont, seine Natur leiste ihr ohnehin Widerstand. Der Refrain erscheint in abgewandelter Form.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 1099f.)