Rat einer reinen Jungfrau (Z81)

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Rat einer reinen Jungfrau (Z81)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1590
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Hdschr. 115, 21r-23r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 1100f.

Inhalt

A Minneklage (1–37)

Der Sprecher liegt schlaflos und verzweifelt am Liebeskummer, fühlt sich vom Glück verlassen und fürchtet um seinen Verstand. Noch ehe er verstummt, hört ihn eine edle Jungfrau und spricht ihn an.

B Gespräch (38–217)

Die Jungfrau erkennt seine seelische Not, zeigt Mitgefühl und bietet Rat. Er bleibt zögerlich, versteht sein eigenes Leid kaum. Sie rät ihm, der Geliebten sein Unglück zu klagen, da viele Männer so Lohn erhielten; andernfalls solle er ein erreichbares Ziel wählen. Männer seien töricht, wenn sie sich betören lassen und ihre Chancenlosigkeit nicht erkennen – angesichts der Macht der Minne müsse man Maß halten. Der Sprecher vergleicht sich mit einem hungrigen Wolfswelpen, der sich aus Angst nicht zu rühren wagt, und beschreibt sein Herz als in Schmerz und Todesnähe getrieben. Erlösung verspreche nur ein Wort der Geliebten. Nach überschwänglichem Lob wiederholt er seinen Wunsch nach einer Begegnung, um ihr Treue und Gefangenschaft auf ewig zu geloben. Die Jungfrau antwortet mit einer allgemeinen Lehre für junge Minnesucher: Sie sollen das Wesen der Minne ernsthaft erkennen, Verschwiegenheit wahren und die Ehre der Damen nicht durch Spott gefährden, da dies auch den Männern selbst schade. Wer schlecht über Frauen rede oder leichtfertig Gerüchte streue, verdiene Leid, denn an solchen Menschen sei keine Loyalität zu finden. Der abschließende Segenswunsch – Gott möge verhindern, dass die Rede ein Ende finde – ist entweder verderbt oder poetologisch zu verstehen: Die Rede über Minne solle weitergehen.

(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 1100f.)