Zween junge burggrafen werden erschlagen (Enoch Widman)

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Zween junge burggrafen werden erschlagen

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Anno 1298 sind zwen junge burggrafen zu Nürnberg erschlagen worden, Friderici des ersten söhne, und wird die ursach diese gemeldet: Alß die [S. 90] zwene junge burggrafen am tag Aegidii uff die jagt wollen reiten und die jäger die hund ledig gelassen, haben sie eines sensenschmids in der Schmidgassen zwei kinder in vollen lauff zu boden gestossen und das eine, weil es sehr geschrien und gezappelt, hart gebissen und zerrissen, das es gestorben. Darauff des kindes vatter seine nachbarn, die sichel- und sensenschmid, auch die tuchmacher umb hulff angeschrien. Diese namen den hunden das kindt und schlugen derselben ettliche tod. Alß nun die zwene junge burggrafen, des geschehnen unfalls unwissend (wie der Schreiber der Nürnberger chronicken selbst bekennet) mit wenig dienern, auch gantz ungerustet, hinnach riten, wurde der eine von dem unsinnigen tollen pöfel mit beiln, hemmern, messern, spiesen und stangen angefallen und alßbald erschlagen. Der ander junge herr sprengete im grimmen mit dem pferd und blosen schwert unter das rasende volck, welchs sich von stund an an ihn hinge, das er schwerlich mit dem roß in das wasser, welchs damals die pferdschwemmen war, entran. Allda er dann ereilet und sambt dem roß zu tod geschlagen wardm und ist wol glaublich, sie werden der diener auch nicht verschonet haben. Die thäter entrannen ettlich hundert aus der stad und liesen sich einstheils zu Dinckelspuel, Donauwerd und anderßwo nieder und verliesen alles, was sie zu Nürnberg hatten. Nachdeme nun der alte burggraff, der domals abwesendt war, zu seiner heimkunfft solche mordthaten vernommen und doch die thäter, weil sie außgerissen, nicht straffen kondte, hat er nicht allein denen in der vorstad sondern auch allen andern bürgern zur straff auffgelegt, ihme und allen seinen nachkommen zu ewigen Zeiten aus iderm haus sieben heller uff Michaelis jerlich zu geben. Bede erschlagene burggrafen (deren einen der chronickschreiber zu Nürnberg Sigismundum nennet) wurden den dritten tag hernach Noribergae zu S. Jacob, dabei die burggrafen vor alters gewohnet, begraben und ihnen ein ewiger jarßtag in demselben kirchlein den dritten nach Aegidii zu halten angeordnet. Ihre epitaphia sind hernacher gen Heilßbrunn, allda das eine noch vorhanden, transferirt worden.

Der eine ist gewesen burggraf Hans, vermög seines epitaphii zu Heilßbrunn: Anno domini 1298 calendis septembribus obiit dominus Johannes filius senior Friderici burggravii de Nurnberg.

Der ander aber ist gewesen Albertus, der des grafen zu Orlamund wittwen kurtz vor seinem ende freien sollen.

[S. 91] Eben dieses jhar ward auch der jung herzog Ludwig von Beyern zu Nördlingen mit einem speer von einem von Schelcklingen erstochen.[2] Daß also dieses ein zimlich unglückliches jhar gewesen denen von Orlamundt, den beden burggrafen und dem jungen hertzogen, sowol auch den Juden, wie hernach folget.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 89-91. Marginalie: "Zween junge burggrafen werden erschlagen".
  2. Marginalie: "Ein junger herzog wird erstochen".