Plünderung des Hofer Klaraklosters (Enoch Widman)

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Plünderung des Hofer Klaraklosters

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Das nonnencloster[2] aber ist bald nach dem tod der letzten ebtissin[3] übel tractirt worden. Dann man hat die schönsten und umb grosses gelt gezeugten meßbucher, uff gros regal pergamen geschriben, schendtlich zerrissen sowol andere pergamenen bucher an psaltern, antiphonarien, biblien und dergleichen in grosser anzal, die man doch bei unserer kirchen (weil sonderlich unsern alten gesangbuchern sehr abgehet und fast nichts gantzes mehr da ist) billich solte gelassen haben. Was andern kirchenschmuck anlangt, ist derselbe auch dahin. Da hat man weder der altär, bilder, leuchter, [S. 109] fenster noch anderer ding verschonet, sondern alles zerbrochen, zerschlagen, vertragen, verhandelt, also daß auch das glocklein im kirchturnlein nit hat können sicher bleiben, sondern ist verdistillirt worden. Das herrliche schöne capellein zwischen der nonnenkirchen und dem creutzgang gegen dem garten hat man auch eingerissen, altar und altarstein verhudelt und in summa alles dermassen spolirt, das es von Turcken kaum so arg heue können gemachet werden, und sind die Hussiten, welche anno 1430 bei uns sehr übel hauß gehalten haben, gegen diesen unsern kirchenverwustern noch engel zu rechnen gewesen, dann sie haben ja der todten greber verschonet; dagegen sind bei uns der burggräfin und ebtissin greber angegriffen und teufflisch zergentzet worden, welches doch bei den heiden verboten gewesen. Daher muste der könig Darius aus Persien von der todten Semiramide, der königin in Assyria, ein grobes und scharffes latein einnehmen, da er derselben grab, welches fast bei 2000 jharen unzerstört blieben war, öffnete in hoffnung, ein stattliche summa gelds zu finden; dann er fandt im grab kein gelt, sonder allein diese schrifft: „Nisi vir malus esses et pecuniae inexplebili desiderio flagrares, haud sane mortuorum loculos commovisses.“ Das ist: „Weres tu nicht ein böser mensch, durch die schendtliche goldsucht eingenommen, so wurdes tu der todten rhustetlein nicht angetastet haben.“ Aber, was hin ist, kan mit klagen nicht widererstattet werden, ist auch Gottes straf augenscheinlich gespuret worden. Man möchte aber wünschen, das man doch nur das gebeude den lieben nachkommen zum gedechtnus in seinem esse gelassen und in der kirchen nicht alles zerschlagen und zerbrochen hette, damit man deß andern desto ehe vergessen können. Und soviel vom guten anfang und bösen ende des nonnenclosters.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 108f.
  2. Kloster S. Clara in Hof.
  3. "Amalei oder Aemilia von Hirsperg, die letzte ebtissin, ist unter marggrafen Georg Friderichen zu Brandenburg, unsers gnedigsten fürsten und herren regirung verschiden anno domini 1564, am Pfingstdinstag [23. Mai], und in der ersten ebtissin grab geleget worden stracks für dem altar. Mit dieser ebtissin absterben ist das closter S. Clara mit allen seinen einkommen unserm gnedigsten fürsten und herren, alß dem jüngsten erben heimgefallen, wie dann ettliche jhar zuvor mit dem mönchencloster auch geschehen, welches marggraff Albert einem erbarn rath allhie geschencket hat, eine feine berumbte schulen darinnen anzurichten, welche anno 1546, am Pfingstmontag [14. Juni], bezogen und eingenommen und das erste schulfest gehalten worden ist."