Keiser Sigismundi gemahl (Enoch Widman)

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Keiser Sigismundi gemahl

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Zu dieser zeit[2] ist Hans von Wallenrod ritter, welcher in keisers Sigismundi hof aufferzogen und von seinem andern gemahl Barbara, Hermanni des grafen von Cilie tochter, sehr geliebet worden, haubtman allhie gewesen, vier jar lang, darnach zwei jhar ambtman zu Beyrrheut, von dannen hat er sich zu marggraf Albrechten von Brandenburg, so man den deudschen Achillem nennete, begeben und ist mit ihme zu feld gelegen wider die Nürnberger und andere seine widerwertigen. Obwol aber dieser man in seiner jugendt ein sundtlich leben (welches er selbsten beschrieben und mit diesem namen genennet) gefuhret, so hat er doch dasselbige verbessert, sich nicht allein in dinsten bei marggraff Albrechten und sonsten ehrlich und redlich gehalten, sondern auch den gottesdinst ihme lassen angelegen sein und denselben befördern helffen, indeme er zu unser kirchen S. Michaelis drei schöner blausammeter meßgewandt, welche güldene blummen und laubwergk haben, sowol auch anderßwo zum gottesdinst gestifftet und seine zeitliche gutter ad pias causas gewendet hat.

Es war aber deß gedachten keisers Sigismundi gemahl,[3] ein verleumbdtes und in unkeuscheit und wollusten des fleisches ersoffenes weib, welche der menner mehr, dann sie ihrer begeret und nicht zu ersettigen war mit bulerei, hilt von keiner religion nichts, glaubte nicht an Gott, auch kein ewiges leben, teuffel noch hell; riethe, man sollte in wollusten leben, weil man köndte, und sich ja nicht versäumen, weil nach diesem leben kein anders zu gewarten, auch leib und seel miteinander stürbe; schalte auch ihre jungfrauen für närrin, wann sie fasteten und beteten, sowol diejenigen, die umb Christi willen sich martern lassen. Alß sie ihr leben in sunden, schanden und unseglicher hurerei biß ins alter zugebracht, starb [S. 180] sie endtlichen in Behem an der pestilentz. Wegen dieses argen weibs wurde gemelter Wallenröder von seinen freunden der Bulhans genannt.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 179f. Marginalie: "Haubtmann".
  2. 1440.
  3. Marginalie: "Keiser Sigismuni gemahl".