Wunderbarliche creutz (Enoch Widman)
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Wunderbarliche creutz | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1]In diesem jhar[2] sind nicht allein hie zum Hof, sondern auch zu Nürnberg, Regenspurg, Landshut, Bamberg, Eger, Culmbach, in Meissen, Behem und andern orten Deudsches lands und des Römischen Reichs, wunderbarliche creutz, allerlei farb und gestalt, weis, blutfarb, eiterfarb, zigelfarb etc., den leuten uff die kleider gefallen. Sonderlich aber den Weibspersonen uff die hembd, schleier, brusttucher, item uff die kleider und leinen gewandt, so in den truhen und laden verwahrt gelegen. Ursach dieses Wunderzeichens gaben unsere geistliche allhie kein andere, dann der leut geitz, schlemmen, fressen, sauffen, mord, blutvergissen, einheimische krig, in Deudschland hin und wider schwebendt, Verachtung Gottes wort und seiner kirchendiener, die da in ihrer freiheit mit Steuer und andern beschweret wurden, item Ungerechtigkeit und tyrannei der regenten und das es an allen orten verkeret gewesen und ubel zugangen, sonderlich aber klagte man über die schendtliche hoffart bei reichen und armen, furnemlich bei weibspersonen, deren mancherlei tracht und farben, in den creutzen allerlei farben, angedeutet war. Man fand auch andere gestalt und figuren, wie ein dörne kron, speer, geisel, negel etc. alß bei der Passion Christi, die den leuten in die kleidung fielen. Wann jemand solche creutz außtilgen wolte oder denselben fluchete, so ereigneten sich andere wunderwerck. Dann ettlichen kamen erschreckliche schlangen an den halß und wolten hineinkrichen. Was obberurte sunden anlangt, dadurch die creutz solten verursachet sein, werden dieselben zu unsern Zeiten hunderfeltig erger und grösser getrieben, und sind unsere vorfahrer noch gleichsam engel, gegen der itzigen verteufelten weit zu rechnen, gewesen. Wann die alte pristerschafft itzt leben und der leut manigfeltige, grausame sund, auch die schendtliche hoffart an mans- und weibspersonen, in unserer stad in acht nehmen solte, wurde sie noch mehr zu klagen und Gottes strafen zu drauen haben und nichts anders prophezeien, dann einen endtlichen Untergang mit der sindflut, Sodoma und Gomorra und das hellische feuer gar.
[S. 251] Alß nun solche wunderzeichen im gantzen Römischen Reich vermerket wurden, samlete sich in Deudschland ein volk, aus Italia ankommen, die trugen lange graue oder leinwate röck biß uff die fuß, gingen barhaubt und barfuß, umbgurtet, ohne gelt, taschen und stab.[3] Ein ider trug ein hultzen creutzlein in einer, in der andern hand aber ein paternoster, trancken weder bier noch wein, fasteten alle tag ausser dem sontag, assen nichts alß kraut und wurtzeln, mit ein wenig saltz angebruet, ohne öl und schmaltz, assen kein fleisch, visch, eier, keß oder milch, vermeineten, Gott hette durch die creutz ein zeichen gegeben, daß sie uff diese weis seinen zorn stillen und solchen orden anfangen solten für ihre und anderer leut sunde buß zu thun, und wurden derhalben Creutzler genant. Viel prister begaben sich in ihren orden, sie namen auch iderman auff, ausser mönchen und weiber. Und wer zu ihnen kam, der verwilligt sich ein jhar, zwei oder dreie etc. bei ihnen zu bleiben. Wann solche zeit aus war, begab sich ein ider widerumb zu den seinen, alß sie zuvor gantz Deudschland durchstreifft hatten und doch an keinem ort über 24 stund blieben waren. Aber ihr selb erdichte andacht und falscher gottesdinst halff wenig. Dann es folgete uff die creutzlein, die man an den kleidern gefunden, in gantzem Deudschlandt (ausser Elsas) ein grosse teurung, und das nechste, alß das 1504. jar, krieg, blutvergissen, item ein schrecklicher landsterb, welcher 2 jar wehrete und von einem ort zum andern kam und viel tausend menschen hinwegname, wie dann auch unserer stad nicht verschonet ward, alßbald folgen wird. Da fandt man an ettlichen todten cörpern creutz am leib, wie das vorige jar an den kleidern, und wer am leib ein creutz bekam, der muste sterben. Das also der harte winter, durre sommer und die wunderbarlichen creutze durchaus nicht guts, sondern krieg, teurung und grosse pestilentz mit sich brachten, wie dann auch ein seu- und viehsterben ettliche jhar nacheinander folgete.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 250f. Marginalie: "Wunderbarliche creutz fallen den leuten in die kleider".
- ↑ 1503.
- ↑ Marginalie: "Creutzler orden entstanden".