Einer leßt sein weib umbbringen (Enoch Widman)

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Einer leßt sein weib umbbringen

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Umb diese zeit[2] hat sich ein erschreckliche geschieht bei unns zugetragen, da ein verruchter gottloser burger, mit namen N. Laubman, sich teglich mit seinem weib gerauffet und geschlagen und dieselbe gar ubel gehalten hat. Damit er aber deß weibs möchte los werden, hat er seinem knappen ettlich gelt gegeben, ihme sein weib heimlich umbzubringen, dann er sich ohne zweifel seines ablasbriffs, so er vom römischen landstreicher für allerlei sund bekommen,[3] getröstet hat. Bestimmet ihme hirzu einen donnerstag, da wolle er sie uff den abend in den keller schicken, ein bier zu holen, so soll der knapp uff die gelegenheit bedacht sein und sie alßbalden tödten. Gehet derowegen gedachter Laubman uff benambten tag mit seinem weib zu bad und stellet sich so freundlich gegen ihr, alß er zuvor in langer zeit nicht gethun. Darob sich das weib sehr verwundert und derhalben an guter speis ihres theils nichts mangeln lesset. Uff den abendt, da man essen und zu tisch sitzen sollen, heiset der man das weib ein bier aus dem keller bringen. Das arme weib, keines argen sich besorgende, gehet in den keller, alßbalden blesset ihr der mörder das licht aus und bringt sie umb, damit er sein gelt nicht umbsonst eingenommen, und machet sich alßbald auf und darvon. Solche greuliche that ist zwar ein zeit [S. 299] lang verborgen blieben, da die leut gemeinet, wie Laubman furgegeben, daß weib sei von dem grossen pradem deß bires aus dem benachtbarten keller ersticket und also verdorben. Ist aber endtlich, do derselbe mörder umb anderer bösen thaten willen an frembden orten gefenglich einkommen, durch ihne in der marter offenbar gemacht und die sach an einen erbarn rath gebracht worden. Wie es dem anstiffter aber darüber ergangen, ist wegen der langen zeit in Vergessenheit gestellet worden.

Anmerkungen