Gemeiner gottescasten (Enoch Widman)

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Gemeiner gottescasten

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Anno 1529, am tag Purificationis Mariae, ist der gemeine gotteskasten allhie uffgerichtet worden. Dann weil die leut aus Gottes wort nunmehr so viel gelernet hatten, das closter, messen und bruderschafft, stifften vergebens und abgöttisch were, damit gleichwol der gottesdinst mit der zeit nicht gantz fallen, sondern kirchen und schulen in ihren wirden, auch die gebeude möchten erhalten werden, sowol auch haußarme leut und andere notturfftige versehen wurden, hat man die christliche burgerschafft dahin leiten müssen, daßjenige, so zuvor uff das abgöttische pfaffenwerk gewendet worden, hinfurth zu dem gemeinen gotteskosten zu geben und stifftung dazuthun. Es wurden auch alßbalden die privat und bedingten seelmessen abgeschaffet und die jerlichen einkommen zum theil zu dem gemeinen gotteskasten geschlagen, aus sonderlicher vorsichtigkeit der obrigkeit allhie, weil sonderlich von hoher herschafft wegen die kirchengutter, deren die gottlosen meßpfaffen genossen, eingezogen und in die cammer gewandt wurden. Dieser gotteskasten, so eiserne und in zimlicher gröse gewesen, ist anno 1570, da man zu S. Michel gebauet, weggeraumbt und dann anno 1589 am abend Visitationis Mariae die alte tafel widerumb verneuret, und zu S. Michel an die vorige stell an den fordern pfeiler gesetzt und anstat deß grossen kästen ein ander klein kestlein darunter gehefftet worden. Gott erwecke die burgerschafft, daß sic der alten fußtapffen nachgehen, ihnen freundt mit dem ungerechten mammon machen und durch ihre reiche allmosen den gottesdinst, kirchen, schulen und arme leut ferner befördern und erhalten helffen. Amen.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 323. Marginalie: "Gemeiner gottescasten".