Teuffelß gewalt wird gehindtert (Enoch Widman)

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Teuffelß gewalt wird gehindtert

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Anno 1530 hat der teuffel den Hans Goditzer, bürgern und tuchmachern allhie, so albereit viel jar haußgehalten, leibhafftig holen und zu kleinen steublein, wie sie in dem sonnenschein fligen, zerreisen wollen, ihme auch den Charfreitag, alß den 15. aprilis vor vollendtem ambt der predigt, zu einem gewisen termin gesetzet. Daher er in grosse traurigkeit gerathen, nicht anders meinendt, er muste uff bestimbte zeit sein leben mit einem schrecklichen ende beschlissen. Ist gleichwol durch göttliche hulff und beistandt, auch durch vleissigs seuffzen und beten herren magister Caspar Löners und seiner diaconorum, so stets bei gedachtem Goditzern in seiner traurigkeit gewesen, sowol seiner gefreundten und anderer Christen, die in der kirchen und daheim für ihn embsig zu Gott geschrien, gnediglich errettet worden; dann magister Caspar [Löner] am Charfreitag von morgens an, biß er uff die cantzel steigen müssen, bei ihme blieben und hernach in seinem abwesen leut geordnet, unter denen auch mein vatter seliger einer war, die ihn stets mit Gottes wort getröstet und unter der predigt ihme vorgebetet haben. Ist also Hans Goditzer am Charfreitag, umb den mittag, alß er vernommen, die ambtspredig und der gantze actus sei nunmehr vollendet und der teuffel hab mussen zum lugner werden, seiner schwermütigkeit erlediget und vom teuffel ferner unangefochten blieben. Er sagt auch, alß der angesetzte termin verflossen: „Nun will ich Gott trauen und dem teuffel salva reverentia uffs maul thun.“

Es hatte aber Hannß Goditzer in seiner jugendt, alß er noch ein knab und ein zimlich böser bub gewesen, mit andern seinesgleichen frömmlingen der kötlein oder dickelein gespielt, lusum talorum videlicet, und sich verwettet, er wolte des teuffelß sein, wann er nicht wurffe, was er begert, und das kötlein oder dickelein, so er ihme furgenommen, treffe, da ihme dann die kunst umbgeschlagen. Hernach hat ihme der teuffel in [S. 329] seinem mannlichen alter solch leichtfertig schweren furgehalten und mit schwerer anfechtung geplaget. Welches dann furnemlich der unbedechtigen jugendt, die den teuffel stets im maul hat und sich von ihm holen heiset, zur treuen warnung dienen soll.[2]

Dann man diesen argen und bösen gast nicht lang reitzen und locken darff, er ist ohne das deß menschlichen geschlechts abgesagter feindt und gehet umbher wie ein brüllender lew und gedenckt sein list und gewalt an den armen Christen zu uben, wie dann auch bei diser Stadt viel schrecklicher exempel an jungen und alten, an mann und weibspersonen sich zugetragen, die alle zu erzehlen unnötig. Und wie der teuffel zu unsern zeiten Veronicam Gottsmannin, eine jungfrau, zu zweien malen besessen und dahin endtlich getrieben, daß sie ihres lieben Gottes vergessen und anno 1569, den 22. martii, bei lichtem hellen tag, an ihrer eignen gurtel sich erhencket, ist noch wissendt, sowol dasjenige, daß sich mit Rebecca Höpffin anno 1589, den 20. aprilis, am sontag Jubilate, fru unter der spitalpredigt, zugetragen, da ihr der teuffel, in gestallt eines schwartzen manns, ihr kleines kindt mit gewalt nehmen und do sie solches geweigert und ihme solches nicht geben wollen, hat er sie am kopff hefftig gerschlagen, daß man lang an ihr heilen müssen. Der böse feindt hette sie auch in der Saal, darein sie gesprungen, nicht fern vom neuen Bad, gerne erseuffet, wo nicht die heiligen engel Gottes ihr eben damals widerumb aus dem wasser uff einen floß geholfen hetten.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 328f. Marginalie: "Teuffelß gewalt wird gehindtert".
  2. Marginalie: "Teuffel trachtet den armen menschen hefftig nach".