Der Christen niderlag vor Rab (Enoch Widman)
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Der Christen niderlag vor Rab | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] Den 30. augusti ist frumorgens umb 1 hor und hernach ein grausam erschrecklich ungewitter gewesen, mit grossem gewaltigen donner, steten wetterleuchten, schlossen und regen, dadurch an vielen orten deudsches landes mechtiger schaden geschehen, dergleichen ungestummigkeit den [S. 479] gantzen sommer nicht gehöret worden, da die ubrigen erdfruchtlein, so spat einkommen, mehrerstheils darnider geschlagen und verderbet worden, auch sonsten vielen dörffern, märckten und flecken durch die gehlinge wasserflut an heussern, ställen und vieh, so es weggerissen und mit sich gefuhret, item an baumen und dem obs unseglicher mercklicher schaden erwachsen.
Eben zur selbigen stundt und zeit ist das christliche krigsvolk vor Raab in Ungarn von dem turkischen heer in einem dicken nebel mit 30000 man zu roß und fus (welche in aller still mit gemachten schiffbrücken über die Thonau gesetzt und zum theil hinubergeschwemmet) unversehens uberfallen, das christliche heer mit einer wagenburg umbringet und dermassen in sie gesetzet, daß unser krigsvolk (weil die feldobersten verreterlich gehandelt und vom turckischen keiser grosse geschenck genommen, auch die vorige nacht mit fressen, sauffen, pancketiren und hurerei zugebracht und sich fru morgens mit der grossen huren Philippina davongemachet und alles, so zum krieg notwendig, mutwilligerweis dem Turcken hinterlassen) vor grossem schrecken und furcht in kein Ordnung zur gegenwehr kommen mögen. Und obwol die sächsischen und frenckischen reuter und kurisser sich anfangs dapffer gewehret, so ist doch der feindt zu mechtig gewesen und hat allen vortheil eingenommen. Wer sich nun durch die flucht nicht salvirt, der ist jemmerlich nidergehauen und, was der vhesten Raab zugeeilet, ist uff der brucken (die der feindt allgemach abgeworffen) ins wasser gejagt und elendiglich ertrencket worden, daß also unsers theils bei 20000 man todt blieben und über 10000 mann gefangen sein. Alles geschutz, gezelt, munition, baarschafft, die kriegscantzlei und was von vorrath an proviant vorhanden gewesen, hat der Turck in seine gewalt bekommen, viel stattlicher vom adel, redliche kriegsleut und tapffere helden, item der wirtzbergische reuterhaubtman, Rekin genant, sindt alle tod blieben und der bambergisch rittmeister, einer von Brandtstein, hat zwen schuß empfangen etc. So ist auch bald hernach die vhestung Raab vom türkischen volk eingenommen und also was Deudschlandt an stattlichen kriegsleuten und gelt wider den turckischen bluthund geschicket, ist durch die verreterischen feldobersten dem feindt freventlich ubergeben und schendtlich auffgeopffert worden. Gott straffe, wie zum theil geschehen, die proditores patriae auch hinfort! Amen, amen, amen. Das volgende jar bekam der Turck die vhestung Erlau.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 479f. Überschrift: "Der Christen niderlag vor Rab". Marginalie: "Groß ungewonlich und erschrecklich ungewitter".