Mutwilliger todschlag allhie vollbracht (Enoch Widman)
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Mutwilliger todschlag allhie vollbracht | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] Am sontag Jubilate, den 11. maii, zu mitternacht hat obengedachter Wolff Langheinrich, ein burgerssohn allhie, neben Stephan Singer, einem Schlesier von Bautzen, einem gottlosen ungezogenen schuler, alß sie zuvorn sich vollgesuffen und mit andern bösen buben in der stad herumgeschloffen, Hansen Weidners, metzgers allhie sohn, so auch Hans geheissen, jemmerlich erstochen und erschlagen, daß er alßbaldt tod blieben. Der todte cörper ist acht tag lang unbegraben gelegen, da des entleibten ehern und freundtschafft gehoffet und emsig bei der obrigkeit angehahen, weil der todschlag unlaugbar und die theter in Verwahrung gelegen, es solte die justitia gegen den mördern desto ehe administrirt und exequirt werden. Weil es aber ungeachtet der billigkeit und des vielfeltigen anlauffens, bittens und flehens nicht fortgehen wollen, ist endtlich uff bevelch des fürstlichen regiments uff dem gebirg der erschlagene am sontag Cantate ohn alle gebreuchliche ceremonien uff den kirchhof zur begrebnus gefuhret und verscharret worden. Was die bede theter anlangt, wurden dieselben, wie dann auch ettliche andere mithelffer, noch dieselbige nacht bald nach volbrachter that gefenglich eingezogen und in der buttelei unterschidlich verwahret. Da dann der eine, alß Wolff Langheinrich, bis uff den 20. martii des 1596. jars gefangen gehalten und an bemelten tag der gefengnus durch grosser ansehnlicher und vornehmer leut bei fürstlicher durchlaucht Brandenburg vorbit wider erledigt worden, mit der angehengten condition, daß er nach geschworner urphed und außgerichter atzung sich alßbalden aus der stad machen und zusagen mussen mit eidespflichten der ufferlegten und zuerkandten straff folg zu leisten, nemlichen funff jar lang in Ungarn sich wider den erbfeindt gebrauchen zu lassen. [S. 485] Der ander aber, als Steffan Singer, ist das jar hernach anno 1597, den 13. aprilis, von statten gelassen worden mit der bescheidenheit, das er ein urphed schweren, der herrschafft 50 fl straffgeldt geben und die atzung ausrichten sollen. Alldieweil er aber nach dem tödlichen abgang seines vattern Bernhard Singers alßbalden zu abzalung dessen, so uff ihn gangen und er bei beden wirthen, Caspar Teubern und Philipp Reiteln, in seiner langwirigen verhafft verzehret, nicht kommen mogen, hat er eine obligationem juratoriam uffgerichtet, solches alles getreulich zu leisten und seine burgen, nemlich magistri Thomae Blebelii gewesenen rectoris hinterlassener wittib und dere bede söhne, in alleweg schadlos zu halten. Was das straffgelt anlangt, ist ihme solches uff sein vielfeltig ansuchen erlassen worden. Es hette aber, wie man damalß geklagt und gesagt, obgedachter todschlag wol können verhütet werden in dergestalt, das, weil gemelter Singer den verschinnenen winter mit dem jungen Hans Weidner zuvorn auch in widerwillen gerathen und uff der gassen denselben angetastet und mit einer virthelkandel über den kopff geschmissen, daß er nahendt tod blieben, man ein billich einsehen haben und solchen mutwillen straffen sollen fernerm ungluck vorzukommen. Alldieweil aber solches verblieben, ist Singer in seinem bösen vorsatz nicht wenig gestercket worden und, weil er befreiung der straff gehoffet, hat er nicht allein den Weidner ferner für sich anzugreiffen ihme bößlich furgenommen, sondern noch dazu den Wolff Langheinrich mit sich gefuhret und im trunck in ein solch spiel gebracht, darein er sonsten für sein person nicht leichtlicht kommen were.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 484f. Überschrift: "Mutwilliger todschlag allhie vollbracht".