Gros kriegsgeschrei (Enoch Widman)
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Gros kriegsgeschrei | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] In diesem und den folgenden monaten ist im gantzen Deudschland gros kriegsgeschrei erschollen wegen der Spanier, so ein zeitlang im Niderland gelegen und doselbsten, auch am Rheinstrom, mit manns- und weibspersonen, auch mit den kleinen kindern, unmenschliche tyrannei und uberteufflische bubenstuck, sundt und schand getrieben, davon nicht zu schreiben. Es waren aber solche Spanier vom babst zu Rom und seinen hetzhunden und von den bebstischen oder catholischen fursten (die der sanctae ligae, wie sie es nennen, zugethan) in die grentzen des Deutschen Landes darumb mit groser anzaal geleget, daß sie die protestiren- den oder lutherischen fursten mit guter gelegenheit heimlich uberfallen, aus dem land schlagen und darauff die unterthanen mit gewalt und dem schwert zur papistischen falschen scheinreligion zwingen und also des teufflischen concilii zu Trient gemachte gottlose decreta wider die lutherischen exequiren solten, wie dann die bebstischen potentaten albereit vor ettlichen jahren ein außtheilung des Deudschen Landes gemacht, was ein ider unter ihnen (nach vertreibung unserer christlichen fursten) in unserem lieben vaterlandt inkunfftig besitzen wolte. Darauf dann unsere [S. 506] hohe obrigkeit, marggraf Georg Friderich zu Brandenburg etc., und andere der augspurgischen confession zugethane fursten nicht unzeitig bewogen worden, solchem spanischen kriegsvolk uff die schantz achtung zu geben, ihrer land und leut warzunehmen und mit zusammengesetzter faust sich vor gewalt zu schützen und wurde hirauff diese zeit über in unsere gnedigsten fursten und herren landt immer eine musterung nach der andern furgenommen und angestellet und aus allen stedten und dörffern ettlich volck uff den notfall außgelesen, die mit roten, grünen, blauen und anderer farb kriegsröcklein, welche mit weisen schnuren uberal verbremet und belegt, item mit moßketen, haacken, pandelirn und anderer zum theil neuer krigsrustung über die alten vorigen wehren musten staffiret sein. Dergleichen geschah bei andern deudschen fursten mehr, sonderlich bei dem landgrafen in Hessen und herzogen zu Braunschweig, welche sich damals sehr männlich erwiesen. Alß aber die Papisten und Spanier vermercketen, daß sie nicht geringen widerstand hetten und das spiel wol über sie selbsten waltzen und an ihnen außgehen möchte, haben sie die pfeiffen ein zeitlang eingezogen und sindt ein wenig zuruckgewichen, doch also daß sie ihrer schantz, alß geübte kriegsleut stets wol wahrgenommen, wie sie dann auch der deudschen fursten feldleger mit list anzugreiffen sich unterstanden, ihnen unversehens schaden zugefuget, doch ihren theil auch widerumb bekommen, daß also den sommer und herbst über nichts sonderlichs wider das teuffelsvolck außzurichten gewesen.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 505f. Überschrift: "Gros kriegsgeschrei".