Ablass im Jubeljahr 1489 (Enoch Widman)

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Ablass im Jubeljahr 1489

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] In diesem jhar[2] hat babst Innocentius, der achte dieses namens, den deudschen einen ablas unter dem schein eines jubeljhars aus sonderlicher, angeborner, hertzlicher zuneigung, lust und lieb zu ihrem gelt durch einen legatum a latere in Deudschlandt unsern voreltern zu haus und hof zugeschicket mit groser indulgentz und Vergebung der sunden. Dann, weil er vermercket, das es den Deudschen zu fern und zu schwer sein wolt, gen Rom zu zihen und den ablas allda zu holen oder die jubeljhar zu besuchen, gedachte er ihnen hirinnen zu willfahren, muhe und unkosten zu ersparen und schickte einem iden solche himlische gaben für die thur, seiner gute zu genisen, doch seines beuttels dabei auch nicht zu vergessen. Dann darauff war es angefangen. Da nun der gedachte bäbstlicher heiligkeit legat (mit namen Raymundus Payraudi oder Pegerandi, ein Franzos, römischer archidiaconus und doctor sanctae theologiae) das jubeljhar in Franckreich und Deudschland außtheilete und in alle bisthumb, stedte und flecken des Deudschenlandes legete, hat er im obgesatzten jhar unter andern dem bisthumb Bamberg seinen gnadenschatz auch gonnen wollen. Indeme er sich nun zu Nürnberg, auch Bamberger bisthumbs, ein zeitlang uffhielte und aus seinen briefen weidlich gelt schmidete, dadurch dann gemeiner pristerschafft viel pfennig entzogen wurden, hat sich doctor Theodoricus Morung oder Morring, Bambergensis, Herbipolensis et Eystetensis collegiatarum ecclesiarum canonicus, wider die bäbstliche bullen geleget und furgegeben, der babst köndte den seelen im fegfeur das jubeljhar nicht mittheilen, sondern man muste denselben mit vigilien und seelmessen zu hulff kommen. Dieser doctor Morring, alß er von Nürnberg (dahin er gereiset war, dem ablaßkramer eintrag zu thun) widerumb nach Wurtzburg zihen will, wird er von marggraffen Friderichs zu Brandenburg unterthanen uff anstifften des jubilirers bei Nürnberg gefangen genommen und verwundet uff Cadelßburg gefuhret. Der bäbstliche legat absolvirte [S. 223] des marggrafen unterthanen von solchem ihrem furnehmen, meldet doctor Morung an, er soll deß allerheiligsten vatter babsts gefangener sein und ubergibt ihn, alß bäbstlicher heiligkeit gefangenen, dem marggrafen, der ihn neun jhar lang uff dem schloß Rauhen Culm gefenglich gehalten. Ursach seiner langwirigen gefengnus ward nicht allein, das er der bäbstlichen bullen widersprochen, sondern das ihme auch ein schmachschrifft unter dem namen Passio sacerdotum sub principe marchione Alberto zugemessen ward, welches buchlein in der Verfolgung der priester zur zeit marggrafen Albrechts außkam, do er bedes uff die leien und uff die priester in seinem landt eine grosse steuer legete.[3] So wurd auch gemelter doctor Morung Zauberei beschuldigt und das er oft bei nächtlicher weil in weltlicher kleidung mit wehr und waffen, alß ein frischer edelman sich finden lassen, ward endtlichen anno 1498 widerumb ledig und erlangete die pfarr allhie zum Hoff.

Das jubeljhar wird zum Hof in S. Michelßkirchen gepredigt

Und das ich wider uff den bäbstlichen gesandten komme, indeme er, wie beruret, anno 1489 das jubeljhar gen Bamberg legete, sandte er licentiaten Johann Groman von Mönchberg (mit deme er zu Paris studirt hatte) alß einen commissarium in den stedten und flecken, dem stifft Bamberg zugethan, das jubeljhar zu predigen. Dieser licentiatus sanctae theologiae und magister parisiensis, Johann Groman, legte nun das jubeljhar auch gen Hof hiher am tag Allerheiligen und wehrete solches ein gantz monat,[4] da ordnete er in der kirchen zu S. Michel 15 beichtväter, richtete ein creutz auff und setzte einen kästen, darein das gelt gefallen solte, predigte alle tag entweder persönlich selbsten oder lies einen andern predigen, theilete auch ablasbrif und confessionalia aus, einen brief umb 70 frenckische pfennig, darinnen alle sunden vergeben und kein fall außgenommen ward, ohne was dem vatter babst immediate zustendig, ordinirte auch 7 kirchen nach gelegenheit der sieben furnehmen kirchen allhie und bekam in seinen ablascosten bei 300 fl. Alles gelt aber, so er gesamlet, ward im zu Cronach von eines bauren sohn und zu Freiburg von einem pastore gestolen, da man furgegeben, wie der teuffel diesen beden sichtbarlicher weis, dem einen in gestalt eines menschen, dem andern in gestalt eines hunds, den diebstal vollbringen helffen. Wurden derhalben bede gefangen und, alß sie die that bekenneten, jemmerlich hingerichtet.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 222f. Marginalie: "Der babst schickt ablas unter dem namen des jubeljhars in Deudschlandt".
  2. 1489.
  3. Marginalie: "Geistliche heissen die uffgelegte steur ein pristerverfolgung".
  4. Marginalie: "Male quaesit, male perdit".