Arme schuler bekommen aus dem spital teglich einen laib brot (Enoch Widman)

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Arme schuler bekommen aus dem spital teglich einen laib brot

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Anno Christi 1562 ist von dem edlen und gestrengen Hans Paulussen von Schaumberg, haubtman, auch von burgermeister und rath uff emsiges anhalten herren Jacob Schlemmers, Schulmeisters, den armen schulern in betrachtung der teurung und ihrer notturfft aus dem spital alle tag, feier und werckeltag ein laib brot, wie er den pfrundtnern gereichet wurdt, über das andre brot, so sie vor alters gehabt, zu geben bewilligt worden. Dagegen ettliche arme schuler alle sonn- und feiertag zu fru, wie dann auch dinstag und donnerstag in der Spitalkirchen singen müssen.

Es hat aber die burgerschafft vor der zeit zu unterhaltung der armen schulerlein gerne gegeben.[2] Da dann die alte Rebhunin castnerin (deß alten herrn Rebhuns erste haußfrau) die alt Bastian Pölmanin, die alt Georg Jänin, die Sperberin und andere christliche matronen den armen kindern wöchentlich ein warmes gericht speis an fleisch, kraut, ruben, erbeisen, milch, gersten und andern zugemusen etc. geschicket und dadurch bei Gott Vergeltung und von den menschen geburlichen rhum erlanget haben. So ward auch kein burger damalß gefunden, wann er nur eines zimlichen vermögens, der nicht des jars einmal die armen schuler semptlichen gespeiset und getrencket und von dem segen Gottes uff dem felde an getreid und kuchenspeis denselben ettwas mitgetheilet hette, also das die armen gesellen nicht allein fast alle sonn- und feiertag, sondern auch manchmal in der wochen einen speisherren gehabt, auch wenn die burger gebreuet, ettliche kannen kufenbier sowohl abgegornen convent oder cofendt, bekommen und dargegen für gemeiner stad wolfart vleissig gebetet, emsig gestudiret und - wann sie von hinnen gezogen - der Höfer barmherziges und miltes hertz weit und fern gerhumet haben. Welches dann bei der itzigen alten, kalten und geitzigen welt sehr gefallen ist, da zwar die erben und kinder der verstorbenen eltern gutter gerne besitzen, gar wenig aber derselben miltigkeit nachfolgen und die armen schuler kaum in einem virthel jar einmal an Christus stadt zu gast geladen werden. Und wann es auch ohne diese laib brot were, die ihnen aus dem spital wöchentlich die erste wochen acht und die andere zehen an der zaal gereichet werden, musten die armen kinder manchsmal mit guten zänen ubel essen. Wie sie dann ohne das bedes in teurer zeit und sonsten offtmals gantz und gar carirn und durrmeulen mussen.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 387. Marginalie: "Arme schuler bekommen aus dem spital teglich einen laib brot".
  2. Marginalie: "Wurden vor der zeit gern gespeist und getrencket".