Der Juden heuser allhie werden gesturmet (Enoch Widman)
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Der Juden heuser allhie werden gesturmet | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] Anno 1515, den 8. aprilis, am heiligen Ostertag, zu morgens unter dem hohen ambt, gleich da man gepredigt, sindt der Juden heuser (welche Juden mehrerstheilß in der Judengaßen, zum theil auch hindten zu endt der Clostergassen gewohnet) mit dieser gelegenheit gesturmet und beraubet worden. Die burgerssohne, böse buben und handtwercksburß bekamen jerlich am Charfreitag von den Juden (weil ihre voreltern unsern herren Jesum Christum unschuldig ermordet) eine Verehrung an geldt, welches sie gleich von rechts und schuldiger straf wegen alle jar von ihnen forderten und hernach die Osterfeiertag über von solchem gelt einen guten mut hetten und es miteinander verzecheten. Gedachtes jar weigerten sich die Juden, vieleicht aus Gottes verhengnus, ihnen ettwas zu geben und weiseten sie mit schnöden unnutzen worten ab, alß weren sie ihnen nichts schuldig, wolten auch am Osterabendt, in guten wider angesprochen, nichts im wenigsten geben. Darüber die junge burß (die ohne, daß den Juden auffsetzig waren und sie teglich mit einwerffen des seukots in ihre heuser und sonsten wol plagten und schaffernachteten und vieleicht ihre jerliche Verehrung zu disem mal damit verscherzet hatten) dermassen bewegt worden, daß sie sich heimlich zusammengeschlagen und solche der Juden schimpffliche abweisung mit gewaltsamer hand zu rechen unterstanden. Setzeten derhalben dieselben bösen buben und handtwercksburß am heiligen Ostertag fru (da sonsten iderman zu kirchen war und Gottes wort hörete) uff bestimbte stundt zusammen, griffen die Juden und ihre heuser mit gewalt an, raubten, plunderten und trugen hinweg, waß sie bekamen, erbrachen ihre versperte gemacher, truhen, laden, tisch und alles, namen geldt, kleider und was sie fundten, schmissen sich auch redlich mit den Juden, die sich zur gegenwehr satzten und gleichwol zu schwach waren. Ob aber wol den Juden an geldt und gut ein mercklicher schad geschehe, schrien sie doch nur und baten für ihr gesetz, uff pergamen geschriben und zusammen uff ein waltzen gedrehet, septer thora genant, am allermeisten und wolte doch nichts helffen. Dann, da das geschrei und getummel uberhandt nam, liefen die burger und menniglich aus der Closterkirchen (dann an S. Michelßkirchen bauete man noch zu dieser zeit) wie dann auch von S. Lorentzen man hereinlieffe und stunde der gemeine hauf den bösen buben und handwerksgesellen bei, also das ettliche Juden erschlagen wurden und sich hernach die übrigen, nach diesem aufflauff, auch aus der stadt hinweg begaben. Und wurden also die Höfer ihrer Ju[S. 282]den auff dißmal los.
Der Juden synagoga oder schul ist in der Judengaß dieses haus gewesen,[2] welches einen hultzenen ercker hat, dazu dann die zwei zu beden seiten gehöret haben. Der Judengalgen ist hinter S. Sigmundt uff der Hohen Stras gestanden, da das spital bei 16 oder mehr tagwerk feldes beisammen hat.
Was die anfenger und redleinfuhrer dieses tumults anlangt, soviel man nemlich derselben erforschen können, die sich an den Juden am allermeisten vergriffen hatten, sind sie zum theil mit gefengnus am leib, einstheilß aber an gelt gestraffet worden.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 281f. Marginalie: "Der Juden heuser allhie werden gesturmet".
- ↑ Marginalie: "Der Juden schul und galgen".