Der Minne Freud und Leid (Der elende Knabe) (B402)
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Der Minne Freud und Leid (B402) | |
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| AutorIn | Der elende Knabe |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1459 |
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| Überlieferung | Langfassung:
Kurzfassung:
Druckbearbeitungen:
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| Forschung | Klingner, Jacob: Der elende Knabe; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 643-646 |
Inhalt
A Exposition (1–19)
Es sei üblich, bei bekümmertem Herzen Hilfe zu suchen. Auch der Sprecher, der unter der Hartherzigkeit seiner Dame leidet, folgt dieser Sitte. Er wünscht, Leid und Liebe trennen zu können, um wieder Freude zu finden, doch das Nachdenken über seine unglückliche Lage macht ihn fast wahnsinnig.
B Spaziergangseinleitung (20–48)
Um seinem Kummer zu entkommen, geht er in den Wald. Die sommerliche Schönheit, die Blumen und die lebhaften Tiere und Vögel lenken ihn zunächst ab, doch bald kehrt der Gedanke an seinen Liebesschmerz zurück.
C Belauschtes Streitgespräch (49–390)
Er hört den Gesang einer jungen, rot gekleideten Dame mit Kranz und versteckt sich. Ihre Schönheit fesselt ihn. Eine zweite, ebenso schöne, aber traurig-grau gekleidete Dame erscheint. Die beiden begrüßen sich höfisch. Die Rote erklärt ihre Freude: Sie liebt einen jungen Mann, dessen Gegenliebe sie beglückt; keine Freude übertreffe das Zusammensein der Liebenden. Die Graue dagegen leidet unter derselben Situation: Sie liebt treu, doch aus Angst vor den Klaffern muss sie ihre Freude verbergen, was sie in Schmerz verwandelt. Sie klagt über Trennung, Schweigen, Argwohn und die Gefährdung weiblicher Ehre. Zudem zwinge die Liebe den Mann zu gefährlichen ritterlichen Unternehmungen, was ihr Sorge bereite. Die Rote widerspricht heftig und preist die Macht der Liebe: Viele edle und mächtige Menschen seien ihr verfallen; ohne Liebe gebe es keine Freude. Sie führt zahlreiche Exempel an – von biblischen Figuren bis zu Helden der Antike und des Mittelalters – und wirft der Grauen Hochmut vor. Diese solle ihre Torheit ablegen und mit ihr heimkehren; wer einen treuen Geliebten habe, solle sich freuen.
D Schlichtung des Streites durch den Sprecher (391–502)
Der Sprecher tritt hervor, begrüßt die Damen und bietet sich als Schlichter an. Nach kurzem Erschrecken gewähren sie ihm das Urteil. Beide tragen ihm ihre Sicht vor. Er erkennt an, dass Freude und Leid in der Minne untrennbar verbunden seien. Man solle jedoch nicht in ständiger Sorge leben, sondern hoffen und auf künftiges Glück vertrauen. Sein Urteil lautet: Die Damen sollen heimkehren und sich ihrer Minnebeziehungen erfreuen; das Leid sei um der Freude willen zu tragen.
E Abschied (503–522)
Die Damen danken für seine Lehre, fühlen sich getröstet und erfüllt von Freude. Sie erbitten seinen Namen; er nennt sich der ellend knab. Danach trennen sie sich von ihm.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 644-646)