Der Minne Kraft (B283)
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Der Minne Kraft (B283) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1430/35 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. K 408, 129v-130r München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 714, 106v-108v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Der Minne Kraft; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 442f. |
Inhalt
Nach einer kurzen Publikumsansprache und einem Unsagbarkeitstopos folgt fast der gesamte Text einer langen Reihe von Gegensatzpaaren, die die Macht der Minne beschreiben. Sie entzündet Herzen ohne Flamme, stiftet Freundschaft und Zorn, macht Kluge zu Toren, Weise zu Kindern und Sehende blind. Sie schenkt Liebe und Leid, wirkt wie Diebin und Räuberin, raubt Klugheit und Verstand. Sie bringt Sorgen und Freude, ist zugleich gut und böse, kann binden und lösen, sanft und unsanft bedrängen, zum Tanzen, Singen, Gehen, Springen und zum Ringen nach Liebe treiben. Frauen und Männer folgen ihr gleichermaßen. Sie macht Reiche arm und Arme reich, Gesunde krank und Kranke gesund; sie heilt ohne Salben und verwundet zugleich. Sie macht Einfältige mutig, kann kämpfen und versöhnen. Sie gibt Leiden, Tod und fröhliches Leben, ist bitter und süß. Ohne Füße dringt sie durch die Augen in die Herzen, ohne Hände bindet sie Liebende aneinander. Obwohl sie keinen Besitz hat, ist sie allen Menschen willkommen. Sie kann soziale Ordnungen sprengen, ohne Waffen töten, ohne Strick binden und ohne Netz fischen. Wie alles auf Erden seiner Natur folgt, so wirkt auch die Minne nach ihrer eigenen Art. Der Text endet mit einer kurzen Abschlussformel und einer Bitte an Gott um wahre Minne und ewige Freude im Himmel.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 442f.)