Der Traum im Garten (Der elende Knabe) (B251)
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Der Traum im Garten (B251) | |
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| AutorIn | Der elende Knabe |
| Entstehungszeit | Überliefert 1459 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 433, 48r-58v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Der elende Knabe; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 379f. |
Inhalt
A Ausgangssituation
Der Sprecher sitzt in einem Garten und überlegt, wie er sich im Minnedienst nach dem Willen seiner Dame verhalten soll. Froh und voller Begehren schläft er ein.
B Traum
Die Dame erscheint, setzt sich zu ihm und erklärt, was sie von ihm verlangt. Zuerst nennt sie eine umfassende höfische Tugendlehre mit Schwerpunkt auf Verhalten und Kommunikation: Gott dienen; nicht klatschen, neiden oder Geheimnisse verraten; nicht prahlen; verschwiegen, wahrhaftig, treu und züchtig sein; niemanden betrügen; ehrenhaft minnen; freigebig, beständig, friedfertig und geduldig sein; freundlich und respektvoll auftreten; nicht spotten; redlich bleiben; sich vor Schande hüten; Umgang mit guten Menschen pflegen; nichts Schlechtes erstreben; Ehre und Mut preisen; die Weisen um Rat fragen; sich ritterlich und weltlich halten; nicht fluchen; die Schande mehr fürchten als den Tod. Diese Lehre soll er als ihren Willen verkünden.
Dann folgen konkrete Wünsche und Vorwürfe: Er solle nicht behaupten, sie sei ihm nicht gewogen; er sei argwöhnisch und abweisend; er solle zeigen, ob ihn ihre Liebe freue oder schmerze; er solle ihr glauben und an gegenseitiger Treue festhalten. Der Sprecher rechtfertigt seinen Argwohn als Ausdruck seiner Liebe, verspricht aber, künftig ohne Vorbehalt zu dienen.
Die Dame dankt und verspricht, dass solches Verhalten ihn vor Gott und der Welt ehre und ihm ihren Minnelohn eintrage — soweit dieser ehrenhaft bleibe. Sie kündigt einen Herzenstausch als Grundlage ewiger, leidloser Liebe an. Beim Abschied bittet er um eine Umarmung; sie prüft, ob sie unbeobachtet sind, und umarmt ihn herzlich, was sein Leid vertreibt.
C Erwachen
Von diesem Hochgefühl erwacht er. Erschrocken sucht er den Garten ab, findet die Dame nicht und setzt sich nachdenklich ins Gras. Er fragt sich, wie die „Merker“ reagieren würden, wenn sein Traum je Wirklichkeit würde, und beschließt, die Gebote der Dame zu achten und zu verkünden.
D Verkündung
Er erklärt die Lehren seiner Dame für verkündet und wünscht allen reinen Frauen und reinen Gespielen Gottes Heil, sofern sie sich treu, tugendhaft, beständig und ehrenvoll halten.
E Schluss
Er geht heim, sucht seine Dame auf und berichtet ihr den Traum. Sie bestätigt, dass alles genau ihrem Willen entspricht. Schlussformel mit Autornennung.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 379f.)