Der törichte Liebhaber und der Sinn (B417)
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Der törichte Liebhaber und der Sinn (B417) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung 15. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 77, S. 313-325 |
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| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Der törichte Liebhaber und der Sinn; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 686-690 |
Inhalt
A Einleitung (1–32)
Der Sprecher eröffnet mit der Sentenz, dass nur klug liebt, wer Maß hält, nicht prahlt, Unrecht meidet und aufrichtig handelt; wer dies beherzigt, dem bringe die Minne Heil, wie viele Ritter und Damen zeigen, die Leid und Freude erfahren haben. Als Beispiel kündigt er die Klage eines törichten Mannes an und leitet zur Er-Erzählung über.
B Gespräch des Törichten und des Sinns (33–558)
Der Törichte beklagt seinen alten Liebesschmerz und sucht Rat beim personifizierten Sinn, der ihm Heilung verspricht, sofern er beständig bleibt. In einem schnellen Wortwechsel schildert der Törichte seine erfolglose Werbung und die Abweisung durch die Dame, die ihn für überheblich und unbeständig hält. Der Sinn erklärt dies als selbstverschuldet: Wer sich unbedacht offenbare, mache die Frau nur stolz; zugleich verstünden viele Frauen nicht, welche Tugenden ein Mann im Minnedienst brauche. Der Törichte preist dennoch Schönheit und Tugend seiner Geliebten und wünscht sich Erfüllung, was der Sinn als Verlustgeschäft tadelt; man solle weder übermäßig klagen noch Unerreichbares begehren. Der Törichte verweist auf fehlende Gelegenheit und ein steinernes Herz der Dame, worauf der Sinn mit dem Bild der Rheinbrücke antwortet: Mit Geschick und Rat finde man zu jeder Frau einen Weg, doch brauche es Glück und sichtbare Tugend. Der Törichte beklagt weiter seine Chancenlosigkeit und die Bevorzugung Unwürdiger; der Sinn mahnt, sich nicht beirren zu lassen und schlechte Frauen zu meiden. Auf die Frage, warum man sich ausgerechnet in eine bestimmte Frau verliebe, verweist der Törichte auf das „blinde Herz“. Der Sinn gibt sich geschlagen und schlägt vor, die Weisheit aufzusuchen.
C Belehrung durch Frau Weisheit (559–707)
Der Sinn führt den Törichten in die Schule der Weisheit, die prachtvoll geschildert wird und die Gäste freundlich empfängt. Auf die Frage nach der Ursache der Liebeswahl antwortet sie, dass Zuneigung nicht dem Verstand folge, sondern der natürlichen Beschaffenheit zweier Menschen; Gleiches neige sich zu Gleichem, weshalb auch Unwürdige geliebt würden. Der Törichte unterstellt sich ihr völlig, und die Weisheit verspricht Beistand, betont aber, dass nur Maß die Liebenden schütze; die ungebändigte Minne entziehe sich ihrem Einfluss und richte großes Leid an.
D Pyramus und Thisbe (708–797)
Zur Warnung erzählt die Weisheit die Geschichte von Pyramus und Thisbe: Trotz Verbots verabreden sie sich heimlich, Thisbe flieht vor einem Löwen und verliert ein Band, das Pyramus später im Maul des Tieres sieht und irrtümlich für ihr Todeszeichen hält; er tötet sich, Thisbe folgt ihm aus Liebe in den Tod. Wer wie sie den Rat der Weisheit missachte, gehe zugrunde; der Törichte solle daher heimkehren und ihre Lehre beherzigen.
E Erfolg des Törichten und Schluss (798–808)
Der Törichte verabschiedet sich glücklich und gewinnt schließlich die Dame, die er immer begehrt hat. Der Sprecher wünscht allen Liebenden ähnlichen Erfolg und beendet den Text mit Bescheidenheitstopos und Schlussformel.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 686-690)