Die Amberger durchkrichen einen holen berg uff 900 claffter (Enoch Widman)

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Die Amberger durchkrichen einen holen berg uff 900 claffter

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Anno 1535, am abend Petri und Pauli, haben sich zu Amberg 25 burger und burgerßsohne zusammen verbunden und sindt in den holen ungeheuren berg, 3 meil von Amberg, bei einem dorff Predenwind gelegen, 900 claffter tief hineingangen, nach einer schnur (damit sie den weg zuruck unverhindert wider heraustreffen möchten) mit leittern, lichten, pickel, proviant an essen und trincken uff ettlich tag lang, da dann ein ider ettwas getragen, und viel seltzame abentheuer, palläst, bildwerck, plätz, rauschende flissende wasser, quellende brunnen, doch alles finster und lichtlos gefunden, item sehr viel ungeheurer grosser risenbein, viel todte verwesene cörper unseglicher groß, deren sie zum warzeichen ettliche herausgebracht. Haben auch angetroffen viel irrgeng und schlupfflöcher, da sie ettwan alle 25 einer nach dem andern, wie die schlangen, durch dieselben löcher kriechen mussen. Sie wurffen zwen haubtmanner unter ihnen auff, welchen die andern einen eid geschworen, ihnen zu folgen und ihr leben bei ihnen zu lassen. Der eine haubtman ist vorangegangen und do es die not erfordert, auch vorankrochen. Der ander zuletzt hinden nach, damit keiner zuruckwiche. Einer unter den 25, der heraus der freidigste, ist von den andern fluchtig, halbtod, nach der schnur wider aus dem berg kommen. Noch einer unter ihnen hat viel geweihete kreuter, wachs und ander aberglaubisches lappenwerk bei sich getragen, welcher im berg mit einem stein geworffen worden, daß er sich hart verblutet und von den andern mussen gelabet werden, ist desselben wurffs bald umb das eine aug [S. 337] kommen. Sie sahen aber nimandt dann ein gestalt eines weibs, die denselben wurff gethun, welches sie für ein gespenst gehalten. Endtlichen alß sie nicht weiter kommen können, sindt sie widerumb umbgekert, alle erblichen, greulich gestaltet und erschrecklich anzusehen, auch fast halb tod wider aus dem berg kommen, alß sie ungefehr acht stund lang in dem berg gewesen und darinnen gewelb, plätz, palläst mit selbgewachsenen seulen, pflastern und bildern, alß were es alles in den berg gehauen, gesehen. Bißweilen haben sie so weite genge gefunden, daß sie alle 25 nebeneinander hetten gehen mögen, bißweilen so enge löcher, das einer nach dem andern kriechen mussen, wie solcher Berthold oder Barthel Büchner, damalß burgermeister zu Amberg , der auch ein mitreiser gewesen, beschrieben hat.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 337f. Marginalie: "Nota bene. Die Amberger durchkrichen einen holen berg uff 900 claffter".