Die Jagd (Hadamar von Laber) (B513)

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Die Jagd (B513)

AutorIn Hadamar von Laber
Entstehungszeit Erste Hälfte 14. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Alba Julia / Karlsburg, Bibliothek Bátthyáneum: Cod. R III 70 (Kat.-Nr. 378)
Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 923, Nr. 27
Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 923, Nr. 27c
Erlangen, Universitätsbibliothek: Ms. B 9
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 326
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 376
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 455
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 729
Innsbruck, Landesarchiv: Hs. 21/III
Karlsruhe, Landesbibliothek: Cod. Donaueschingen 92
München, Staatsbibliothek: Cgm 179
Neuenstein, Hohenlohe-Zentralarchiv: Hd. V 1
Neuenstein, Hohenlohe-Zentralarchiv: Hd. V 2
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Bibliothek: Hs. 42586
Straßburg, Stadtbibliothek: ohne Sign. (5)
Tulln, Stadtmuseum: Inv.-Nr. 565
Wien, Österreichische Nationalbibliothek: Cod. 2720
Wien, Österreichische Nationalbibliothek: Cod. 2799*
Wien, Österreichische Nationalbibliothek: Cod. 2931
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Hadamar von Laber; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 965-975

Inhalt

A Einleitung (Str. 1–5)

Der Sprecher eröffnet mit einer Lehre: Nur die richtige Bitte, verbunden mit tugendhaftem Begehren und der Bereitschaft zum Leid, führt zur Freude; falsches Bitten versperrt den Weg zum Glück. Er warnt vor übereilter Wahl der Geliebten und richtet sich an Beständige, da Wankelmütigkeit sowohl diesseitige als auch jenseitige Freude zerstöre. In jagdlicher Bildlichkeit mahnt er junge Jäger, die Fährte zu halten und den Hund Herz nicht zu früh laufen zu lassen, und wünscht jedem, seinesgleichen zu erkennen.

B Aufbruch zur Jagd (Str. 6–29)

Am Morgen bricht er zur Jagd auf. Frau Minne habe ihn zwar unterwiesen, doch oft habe er dabei den Verstand verloren. Herz wird zum Leithund, an die Leine der Treue gelegt, und weitere Hunde — Freude, Wille, Wonne, Trost, Staete, Treue — begleiten ihn. Für die Wechselplätze setzt er alte und junge Hunde ein: Glück, Lust, Liebe und Leid, sowie Gnade als Reserve. Er mahnt seine Knechte zur Sorgfalt und nimmt den alten, erfahrenen Harre mit. Beim Näherkommen des Waldes überwältigt ihn Sehnsucht, er weint wie ein Kind, das Freude und Leid nicht unterscheiden kann. Er sucht die Fährte, findet Blumen und Gras und begegnet anderen Jägern, denen er aus Rücksicht ausweicht.

C Gespräch mit dem Forstmeister (Str. 30–54)

Ein erfahrener Forstmeister erklärt ihm die Gefahren des Waldes, besonders die Wölfe, und mahnt, bei den eigenen Hunden zu bleiben. Auf die Fragen des Sprechers nach Treue, Liebe und Beständigkeit kann er nicht antworten, da sie die verborgenen Zeichen der Minne betreffen. Er rät zu Beständigkeit, warnt vor falscher Schönheit und fordert, nur das edle Wild zu jagen, das sich offen zeigt. Man solle das Herz zügeln und die Fährte prüfen. Er erläutert Jagdtechniken, lobt Treue als wichtigen Hund und warnt vor groben Jägern. Der Sprecher verabschiedet sich dankbar.

D Fortgang der Jagd und erster bil (Str. 55–180)

Herz wird unruhig, zieht an der Leine und folgt einer Spur, die den Sprecher erschreckt, so schön erscheint sie ihm. Er verstummt vor Minne, während Herz tobt. Die Fährte wird in Minneterminologie gepriesen, und der Sprecher kommt dem Wild näher. Herz will das Wild stellen, ohne es zu verletzen, und strebt einen „Kuss“ an. Der Sprecher setzt nach und nach alle Hunde ein — Freude, Wonne, Begierde, Trost, Staete, Liebe, Helfe, Rat, Stiure — und bittet Gott um Beistand. Doch Herz reißt sich los, wird verwundet, und das Wild entkommt. Der Sprecher klagt über das Leid, das seine Dame seinem Herzen zugefügt habe. Muot spendet Trost, doch Wölfe zwingen die Hunde zum Rückzug. Es folgen Klagen, Reflexionen über Klaffer und Wächter, Frauenpreis und mariologische Anklänge. Schließlich verliert der Sprecher ein Hufeisen, die Hunde verlaufen sich, und er klagt über seinen dreifachen Schmerz.

E Gespräch mit dem alten Jäger (Str. 181–312)

Ein alter, tugendhafter Jäger erkennt das verwundete Herz und bestätigt, dass der Sprecher auf der richtigen Fährte sei und ein Wild jage, das eines Königs würdig wäre. Der Sprecher erzählt von seiner Jagd und seiner Hoffnung auf Freude im Diesseits und Jenseits. Der Alte tadelt ihn: Er jage das, was vor ihm fliehe, und lasse Amor seine Zeit rauben. Er erklärt die Macht der Minne und fragt nach der Rechtmäßigkeit seines Jagens. Der Sprecher berichtet von seiner Leidensbereitschaft. Der Alte warnt vor Mutlosigkeit, rät aber, weltliche Minne aufzugeben, wenn sie in Sünde führt, und sich der Gottesminne zuzuwenden. Der Sprecher weigert sich. Der Alte legt die Farben der Minne aus — Grün, Weiß, Rot, Blau, Gelb, Schwarz — und belehrt weiter über Wesen und Ordnung der Minne. Schließlich rät er, im Schalkeswald weiterzujagen, wo sich das Wild stellen werde.

F Jagdvorgang und zweiter bil (Str. 313–363)

Der Sprecher findet seine Hunde wieder und beobachtet andere Jäger, die ungerecht jagen. Er kontrastiert ihr Verhalten mit seinem maßvollen Jagen und hofft auf Kuss und Umarmung. Er ruft Treue, Trost und Staete, als er fast verzagt. Plötzlich erscheint das Wild und lässt sich zum zweiten Mal stellen. Der Sprecher ist überwältigt, wünscht sich, der Moment möge ewig dauern, und lehnt den Rat des Knechts ab, das Wild zu fangen: Lieber sterbe er, als unehrenhaft zu handeln. Er setzt Smutz und Schrenken ein, doch Wölfe überfallen die Hunde, Freude wird verletzt, und das Wild entkommt. Herz ist schwerer verwundet als zuvor, und der Sprecher nennt sich einen lebendigen Toten.

II Minnereflexionen und Minneklage (Str. 364–565)

A Klage über den bil und Streitgespräch (Str. 364–424)

Der Sprecher wünscht sich den Tod und gibt sich selbst und dem Unglück die Schuld. Freude ist entlaufen, und er muss mit Sehnen jagen. Er hetzt Schweigen, Gedanken und Träumen dazu. Sein Herz ist im Netz der Sehnsucht gefangen, seine Gedanken verletzt. Er reflektiert über Freude und Leid, Gesellschaft und Freundschaft und formuliert das Ideal einer maßvollen Mitte zwischen Nähe und Distanz. Ein anderer Jäger verspottet ihn, doch der Sprecher verteidigt die rechte Liebe. Ein Förster schlichtet den Streit.

B Minneklage und Minnegericht (Str. 425–527)

Der Sprecher nimmt eine neue Spur auf und klagt über die Finten des Wildes. Wortspiele, sprechende Namen und Canifizierungen prägen die Klage. Schließlich übernimmt das Herz selbst die Rede, fordert Gerechtigkeit und ruft das höfische Publikum als Richter an. Es beschreibt die Minne als Orden, in dem man Buße tun und Sünden begehen könne. Ein beständiges Herz lasse sich nur durch den Tod trennen. Der Sprecher reflektiert poetologisch über das „Texten“ der Minne und die Kanzlei der Treue.

C Jagdreflexion und Minneklage (Str. 528–561)

Der Sprecher sehnt sich nach der Geliebten wie ein Reiherfalke nach der Höhe. Natûrlîch Lust fliegt wie ein Rabe über die Hunde und löst eine Klage über die Farben des Leidens aus. Er beklagt den Mangel an Treue in der Welt und richtet seine Bitte an Frau Minne. Er erkennt, dass ihm der Hund Sinne fehlt, und lässt sein Herz in die Unminne sinken, wodurch er das Verhältnis von Sünde und Buße versteht. Er preist Harre als letzten Hoffnungsträger und erkennt, dass Triege die Hunde verraten hat. Nur Harre bleibt ihm.

D Schluss (Str. 562–565)

Der Sprecher mahnt, nicht zu verzagen: Nur Treue könne seinen Kummer wenden. Ohne Treue wolle er nicht jagen. Sein Weg sei endlos, und niemand könne das Ende dieses Strangs finden. Sein Körper werde auf Erden, seine Seele im Jenseits mit Harre ewig jagen.

(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 965-975)