Die sieben Buchstaben des Wappens der Tugend (B396)

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Die sieben Buchstaben des Wappens der Tugend (B396)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung 1405-1408
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Brüssel, KBR 15589-623, 47vb-48vb
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 628f.

Inhalt

=== A Begegnung mit der Dame (1–44) === Der Sprecher betritt eine Gartenlaube, in der eine junge Dame mit Rittern und Knappen sitzt. Die Männer nennen sie Minne van wapen. In ihrem Schoß liegt ein Schild mit sieben blumenbekrönten Buchstaben, den sie ihren Gefolgsleuten zur Obhut übergibt. Auf die Frage nach dessen Bedeutung erklärt sie, der Schild heiße Tugend und die Buchstaben ergäben das Wort Wapene. Dieses Wort und die daraus wachsenden Blumen müsse jeder Wappenknecht im Herzen tragen; wer das nicht tue, werde aus ihrem Hof verstoßen. Der Sprecher kniet und bittet um Erklärung der Blumen.

=== B Erklärung der Buchstaben in direkter Rede der Dame (45–151) === Da das W als zwei V verstanden wird, ergeben sich sieben Buchstaben (VVAPENE). Aus dem ersten V wächst die Blume Wahrheit: Wer Frieden sichern wolle, müsse einträchtig, verlässlich und worttreu sein; sonst sei er des Habits des Schildes unwürdig. Aus dem zweiten V wächst Tapferkeit: Ein Mann solle mutig gegen die Feinde Gottes kämpfen und seinem Herrn dienen, außer dieser handle böse; dennoch dürfe er ihn nicht verraten. Aus dem A wächst die Blume guten Benehmens: Wer Waffen trage, solle sich so verhalten, dass er im Kampf Lob verdiene und Freunde wie Verwandte gegen Unrecht schütze. Aus dem P wächst die Blume des eifrigen Sich-Bemühens: Auf Land und Meer solle man sich einsetzen und Turniere, Kampf und Streit suchen. Aus dem E wächst Edelmut: Wer ihn nicht besitzt, erhält den Schild nicht; wer ihn besitzt, soll Besiegte verschonen und Frauen in ihrer Ehre schützen. Aus dem N wächst Kraft: Nach abgelegten Waffen solle man durch Frauen Heilung finden und nach dem Mahl tanzen, zur Freude aller. Aus dem letzten E wächst Ehre: Sie sei so schön, dass jeder sich dem Schild zuwenden solle.

=== C Appell des Sprechers (152–168) === Der Sprecher richtet die Lehre der Dame an sein Publikum: Wer Ehre und die genannten Blumen empfangen wolle, solle dem Schild untertan sein, schweigen können, nicht lügen und nicht prahlen; wer dagegen handle, sei verflucht. Ritter und Knappen sollten die Blumen in Ehren halten, um aller Bosheit ledig zu werden und die Waffen zu Recht zu tragen. Gott möge ihnen den Habit des Schildes gewähren.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 628f.)