Doctor Luther schreibt erstes mal wider das babsthumb (Enoch Widman)
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Doctor Luther schreibt erstes mal wider das babsthumb | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] Anno 1517, am abend Allerheiligen, an einem sambstag, hat doctor Martinus Luther seine disputation wider den ablas zu Wittenberg an die Schloßkirchen offentlich angeschlagen und publicirt, sintemal Johann Tetzel, ein unverschembter mönch, in Deudschlandt, und sonderlich in der Marck,[2] mit ablaßbriffen hin- und widerzoge, hernach auch zu Jutterboch (vier kleiner meilen von Wittenbergk) sich ein zeitlang auffhilte, daselbst seinen ablaskram außlegete, auch seine bäbstische lose wahr mit gantz prechtigen Worten rhumete und feil bote und in offentlichen predigten sich hören lies, sein rotes creutz, mit des römischen babsts creutzschlusseln und wappen bezeichnet, were an krafft und tugenden dem creutz Christi, an deme er gestorben, gantz gleich. Item, ihme were vom babst so hohe macht gegeben, daß er deßhalben mit Petro, dem apostel, nicht tauschen wolte. Er hette auch mit seinen ablasbrieffen mehr seelen aus dem fegfeur und sonsten erlöset, dann Petrus mit seinem gepredigten evangelio bekeret. Seine brief weren so mechtig und gultig, das auch ohne sonderliche vorgehende buße einem sunder die sundt dadurch erlassen wurden, nicht allein vergangene, sonder auch noch kunfftige Sunden weren in seiner macht den leuten zu vergeben. Ja wann auch einer die [S. 296] heilige und keusche mutter Gottes wider das sechste gebot geunehret hette, so kondte er dennoch solche sunde vergeben. Item, so bald der gulden in seinen casten hineinfiele und klunge, so bald were die seel, für die man den ablas kauffet hatte, aus dem fegfeur erlöset und flöge gen himel zu (wie ein ku in ein meußloch).
Diese gotteslesterung aber gab doctor Luthern ursach, wider gemelten Tetzeln zu disputirn und zu schreiben und die leut vor schaden zu warnen. Daß also nach publicirung diser disputation die heilwertige und selige lehr von der buß, von vergebung der sunden, die man durch den glauben empfangen mus, erneuert und repurgirt, auch dadurch allen andern artikeln christlicher lehr ein neu licht gegeben worden ist. Geschehen im andern und hunderten jar, nachdeme Johann Huß zu Costentz verbrandt worden, welcher, alß er zum feur gefuhret wurde, zu den bischoffen, seinen widersachern, gesagt hat: „Post annos centum respontebitis deo et mihi“ (Uber 100 jar werdet ihr Gott und mir antwort geben müssen). Wie mönch Tetzel aber, alß er von Jutterboch (do er zimlich gelt gelöset) wegreisen wollen, unterwegen von einem frischen reuterßman angegriffen worden, der ihme die taschen geklopffet und den seckel wol leicht gemacht, sintemal er derohalben schön vergebung der sunden in einem ablasbrief erlanget und also list mit list vergolten hatte, ist allhie unnötig zu erzehlen, dann solche historien ohne das wolbewust hat ihme Tetzeln aber dazu gedinet, daß er keinem hinfuro die sundt vergeben wollen, die er willens were inkunfftig noch zu begehen, sintemal es ihme mit dem reuterßknaben ubel gelungen.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 15. Marginalie: "Doctor Luther schreibt erstes mal wider das babsthumb".
- ↑ Marginalie: "Monch Tetzelß gotteßlesterliche rede vom ablas".