Ein abentheurer verkuttet den steinern rörkasten (Enoch Widman)

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Ein abentheurer verkuttet den steinern rörkasten

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] In diesem und die folgenden zwei monat ist einer, so sich Heinrich Berles von Nabburg genennet, eines zimlichen alters, allhie gewesen, der sich allerlei kunsten gewaltig gerhumete; dann er sich erstlich für einen erfarnen astronomum und nativitetsteller, doch dißfals sowol in andern mit bubenstucken umbgehend außgegeben.

Fürs ander hat er sich einen mahler schelten lassen, so Lucaß Malers discipel 8 jar lang, auch sonsten 8 jar lang ein student gewesen.

Zum dritten sich gerhumet einen bildhauer.

Zum virdten einen trefflichen musicum uff allerlei instrumenten.

Zum funfften einen außbundigen arithmeticum in aller rechnung, wie die mag namen haben.

Zum sechsten einen guten deudschen schreiber.

Zum siebenden einen visirer.

[S. 473] Zum achten einen bergmeister.

Zum neundten eine seiffensieder neuer art und manier.

Zum zehendten einen fechter uff allerlei wehren, mit dem schwerttantz sonderlich fertig.

Zum eilfften einen alchimisten und distillirer, gar furtrefflich.

Zum zwölfften der da mancherlei Sonnenuhren, daran man bei tag und nacht die stunden sehen kan, abzureisen wisse.

Zum dreizehenden sich vermessen, er wolle einen jungen, so das alphabet kan, in vier wochen schreiben, lesen und rechnen lernen.

Zum vierzehenden, er könne einen stummen in einem halben jar gleichßfals schreiben lernen.

Zum funffzehenden, er wisse ein kunst, holtz zu giesen und aus gefeiletem holtz und segspenen gantze balcken und durchzug zu bereiten, welche stercker werden und lenger liegen, alß ander gemein holtz, so Gott aus der erden geschaffen, und was sonsten seiner unzehlichen lugenkunste, so man nur erdencken kan, mehr gewesen, deren er keine allhie in der that beweisen können.

Zum sechzehenden aber hat er sich unterstanden, den steinern rörkasten also zu verkutten, daß er nimmermehr solte außgehendt werden, wolle denselben auch dermassen mahlen, damit er ihme bei gemeiner stadt ein ewig gedechtnus stifften möge. Obwol er aber nicht zu einem, sondern auch zum andern mal, und zwar nicht ohne sonderliche sorg (weil man des wassers im kästen mehr dann zwei monat lang entberen müssen) denselben verschmiret und doch rechtes kuttens kein wissenschaft gehabt, hat er doch dem rörkasten dadurch wenig geholffen, sondern es ist das wasser idesmal widerumb durchgedrungen und herausgerunnen mehr, dann zuvor und also gemeine stadt, wegen des uffgewandten unkostens, so sich uff 30 fl erstrecket, in zimlichen schaden und nachtheil gebracht worden. Da dann der grosse kunstler und aller sachen kundige meisten alß er vermerket, es wurde ihm nicht recht thun, den 20. julii, freitag vor Maria Magdalena, sich mit dem allerfruesten von hinnen gemachet und einen schendtlichen abschid hinter der thur genommen.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 472f. Marginalie: "Nota bene. Ein abentheurer verkuttet den steinern rörkaste". Überschrift: "Ein abentheurer verkuttet den steinern rörkasten".