Ein grausam ungewöhnlich wetter ist ein vorlauffer volgendes unglucks (Enoch Widman)
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Ein grausam ungewöhnlich wetter ist ein vorlauffer volgendes unglucks | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] Anno 1552 dinstag nach Epiphania den 12. januarii zu fru zwischen 3 und 4 hor ist ein solches erschreckliches wetter von donnern, plitzen, hagel und regen hie und anderßwo gewesen, daß meniglich sich darob hefftig entsetzet und vermeinet, der jungste tag wurde mit gewalt hereinbrechen. Zu Sultzbach hat es drei donnerschieg gethun, darauff das feur vom himel gefallen und hat den kirchthurn angezundet, davon die glocken zerschmoltzen und der thurn gantz außgebrandt ist.
Eodem anno den 17. januarii am andern sontag nach der Heiligen Drei König tag ist herr Philippus Melanthon[2] neben doctor Erasmo Sarcerio, predigern zu Leipzig, doctor Johanne Paceo und Casparo Peucern, des herren Philippi eidam (alß sie uff des churfursten herzog Moritzen bevehl uff das concilium zu Trient verreisen wollen) hiher gen Hof kommen und über nacht allda blieben und hat alßbalden nach der schulen gefragt und dieselbe beschauen wollen. Deme ein erbar rath und Hansen Pruckners des eltern seligen hinterlassene wittfrau von malvasier und anderm wein ein stattliche verehrung gethun. Da dann herr Philippus von dem vorgehenden wetter uber tisch geredet und also gesagt: „Aut porten[S. 372]dit saevam imperiorum mutationem aut extremum diem.“ „Es bedeutet entweder gewaltige verenderung in regimenten oder den jungsten tag.“ Wie dann grosse entpörung im gantzen Römischen Reich, das sich ettliche deudsche fursten neben Heinrico II. dem könig in Franckreich, wider keiser Carolum (der dem babst und Concilio zu Trient anhing und dasselb mit schwert und feur verteidigen wolten) legeren, auch die belagerung der stad Hof und andere gefehrliche krieg mehr darauff erfolget sindt.
In diesem jar, den 20. aprilis, abends umb 8 hor,[3] ist ein schrecklich erdbidem allhie und anderer orten mehr gewesen, daß sich die heuser demassen erschottert, dardurch die burgerschafft vermeinet, es wurde alles versincken und zu boden gehen. Und ist solch erdbidem abermal ein vorbot gewesen zu kunftiger straf nach dem verßlein 2. reg. 22: „Terra tremit, quoties dominus irascitur illi.“
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 371f. Marginalie: "Ein grausam ungewöhnlich wetter ist ein vorlauffer volgendes unglucks".
- ↑ Marginalie: "Herr Philippus kombt gen Hof hiher und redet von diesem wetter".
- ↑ Marginalie: "Erdbidem, ein Zeichen künftiges unglucks".