Ein mensch erhäncket sich (Enoch Widman)
|
Ein mensch erhäncket sich | |
|---|---|
| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] Den 28. januarii[2] zu mittag wird offenbar, daß sich eine magd, die Schul Berbel genant, von Lichtenberg uff Georg Pruckners bei dem steinern rörkasten (da sie gedienet)[3] hinterm boden, gegen der capellanen heuser, des abends zuvor an einem balcken erhenckt hatte. Die wurde uff den abend vom hundschleger abgeschnitten, in einen sack gesteckt, zum galgen hinausgetragen und am Lichtmeßtage daselbsten begraben. Ursach war, wie man davon redet, daß sie sich schwanger befunden und der zeitlichen schand also entgehen wollen dergleichen exempel innerhalb 40 jharen von keiner magd erfahren, ausser der Veronica Gottsmännin, einer wollenkämmerin bei uns, welche einen burgerssohn lieb gehabt, und da sie denselben nicht bekommen können, ist sie anno 1566 sinnlos und mit groser muh und arbeit widerumb restituirt worden. Darauff man sie weiter nie recht frölich gesehen, biß sie anno 1568 abermal viel Wochen lang ihrer sinn beraubt und doch durch Gottes hulff und frommer Christen gebet sich daraus gewircket, und do man sichs am wenigsten versehen, hat sie sich denn 22. martii, dinstag nach Laetare oder Mitfasten, anno domini 1569 in Heintzs Kochs tuchmachers, bei deme sie damals gekemmet, hauß, nahend am Untern Thor (da itzt Hanß Schmaus wohnet) uff den obersten boden, mit ihrer eignen gurtel an einen balcken erhencket. Gott behüte unß inkunfftig für solchen erschrecklichen exempeln, gnediglich amen.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 598. Marginalie: "Böse fälle allhie".
- ↑ 1609.
- ↑ Marginalie: "Ein mensch erhäncket sich".