Ein neuer unbekandter stern lesset sich am himmel sehen (Enoch Widman)
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Ein neuer unbekandter stern lesset sich am himmel sehen | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] An gemeltem 10. novembris anno 1372 ist im Niderlandt uff den abend nach der sonnen untergang ein neuer, ungewöhnlicher und heller stern in dem himlischen gebildeten zeichen Cassiopeae, bei unns allhie aber und anderßwo in Deudschlandt allererst den 16. tag gedachtes monats vermerket und gesehen worden, welcher gantz unbeweglich stets an einem ort des himmelß und allweg in gleicher große und einerlei glantz bei anderthalb jaren gestanden in solcher höhe von der erden, das kunstliche mathematici mit ihren instrumenten sein corpus in der sphaera Veneris wegen der ge[S. 421]ringen parallaxin, so sich nur uff 19 scrupula erstreckt, stehendt befunden und der ursach halben ihn für keinen cometen erkandt haben. Dann, do andere cometen in parte mundi elementari und in suprema regione ucris colligirt und generirt werden, bald gros, bald klein, itzt dunckel, itzt hell scheinen, in ihrem glantz ab- und zunehmen, ihre sonderliche und ungleiche bewegung oder motum haben und bißweilen in kurzer zeit ettliche signa zodiaci durchstreichen, auch nur ettliche tag oder monaten gesehen werden und man von keinem, der über 6 monat gestanden (ausser deme, so vor der belagerung der stad Jerusalem ein gantzes jar lang gesehen worden) in den historien lieset, da ist dieser neue und ungewöhnliche stern, wie itzt gedacht, wegen seiner ungebreuchlichen höhe von der erden in sphaera Veneris und derohalben in parte mundi aetherea deprehendirt worden, hat sein licht und schein die gantze zeit seiner wehrung gleichförmig erhalten, ist unbeweglich in asterismo Cassiopes stehendt blieben und über das alles bei 1 1/2 jaren ungefehr biß uff Ostern des 1574. jarß gesehen worden.
Er hat aber nicht allein, weil er noch gestanden, im 1573. jar seine wirkung an den tag gegeben, da dann der gantzen sommer und herbst von Medardi an biß uff Michaelis und lenger der stetig werende regen das heu, alles getreid und das grummat hart verderbet und beschediget, also daß unter vielen trüben und nassen tagen selten ein gantz oder halb schöner tag gewesen, daran man uff dem feld ettwas in der eil hette hineinraffen können und derhalben viel korn und ander getreid uff dem feld auch noch am halm und ungeschnitten sowol in der scheun uffßgewachssen und jemmerlich verdorben und über das alles den 13. augusti zu mitternacht (weil es zuvorn zwen tag und nacht aneinander ohne uffhören geregnet)[2] durch das grosse gewisser und gehlinges anlauffen der saal gemeiner stad allhie bei 1000 fl schaden geschehen ist, indeme es die wehr zerrissen, viel stoß holtz und vischkesten weggefuhret, auch zu Zwickau durch wegreissung ettlicher gebeude und heusser allererst dermassen rumort, daß viel menschen und vieh ertruncken und unser gewisser allhie, welches zwar gefehrlich genug war, gegen deme, so sich zu Zwickau ereignet, nur ein kinderspiel zu rechnen gewesen ist.
Sondern do gedachter stern umb Ostern anno 1574 verschwunden, hat sich sein effectus auch in Sachssen und Meissen bei den geistlichen und weltlichen erfunden. Dann weil die theologi und andere professorn zu [S. 422] Wittenberg neben ihren rottgesellen soviel vermerketen,[3] das dieser neue stern, weil er in der Cassiope stundt, natürlicher weis zu reden, verenderung der religion bedeutete, verhoffeten sie (wie dort anno domini 1525 Thomas Müntzer und seine auffrurische bauren, da sie den regenbogen am himel sahen, welchen sie in ihrem panier fuhreten) itzt were nun die zeit vorhanden, indeme ihnen Gott selbst ein sonderlich zeichen an den himel gesetzt, nun musten sie den Luther mit seiner tölpischen ungeschickten lehre außrotten und sie weren die erleuchten menner, so die gantze weit bekeren oder vielmehr mit ihrem calvinischen krötengerick und teuffelßgeschmeiß (damit sie lange zeit schwanger gangen und niemalß recht heraus gedörfft) verkeren und verfuhren solten.
Daher sie dann nicht mehr untereinander heimlich wie zuvor, sondern öffentlich in kirchen und schulen mit ihrer neuen subtilen lehr ohne scheu sich vernehmen, itzt den wittenbergischen zwinglischen catechismum, bald die grundtfest oder grunsuppen2451 und das erbar buch Exegesin2452 ohne des autoris namen, alß were es an frembden orten gedruckt, außgehen liessen und damit an den tag gaben, was sie lang im hertzen verborgen gehalten. [S. 423] Was aber diese neue himlische propheten und reformatores totius orbis wider ihren christlichen herren und churfursten Augustum sonsten fur heimliche erschreckliche practiken mit frembder herschafft gemachet und dadurch gehoffet die furnembsten bisthumb und stifften deudsches landes an sich zu bringen und die gantze weit zwinglisch zu machen, das werden ohne zweiffel die historici mit der zeit an den tag geben und haben solches alles die redlichen briff,[4] so man bei ihnen gefunden, außdrucklich bezeuget, in summa, denen herzog Augustus seine seel, seinen leib, sein leut und landt vertrauet hatte, die handelten damalß untreulich und unchristlich an ihm.
Wie aber Gott untreu und auffrhur hasset und straffet und uber ordentlicher obrigkeit alß seiner stifftung heltet, also geschahe es auch zu diesem mal, daß die heimlichen tuck offenbaret wurden und die brif, so wider den churfursten Augustum geschrieben waren, ihme selbsten endtlich zu handen kammen. Obwol nun der hochlobliche churfurst ursach gehabt, eine solche straff wider die verbrecher furzunehmen, davon die nachkommen zu sagen und andere sich dafür zu hutten gehabt. Idoch hat er aus angeborner gutigkeit und miltigkeit (welchs dann wol zu verwundern) sie nur zu einer zeitlichen gefengnus verdammet. Die calvinischen theologen aber, nachdem er sie ein zeitlang in verwahrung gehabt und sie sich unterdes zur lutherischen lehr uffs neu bekandten, widerumb los und aus seinen landen gelassen, wiewol sie hernach bei ihrer gethanen bekendtnus nicht anders dann ein böses armbrust hilten. So wurden auch anno 1574 die andern calvinischen professores in philosophica facultate von Wittenberg vertrieben und dargegen unverdechtige personen an ihre stell geordnet. Welchs ich dann bei diesem stern, andere effectus und wirkung desselben geschweigendt, alß ein denckwirdige historien vermelden wollen.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 420-423. Überschrift: "Ein neuer unbekandter stern lesset sich am himmel sehen".
- ↑ Marginalie: "Gros gewitter thut schaden anno 1573".
- ↑ Marginalie: "Doctor Heinrich Möller, doctor Caspar Cruciger, doctor Friderich Widebramus, Doctor Christoff Pezelius, magister Esrom Rudinger, magister Wolff Crellius und andere mehr".
- ↑ Marginalie: "Magister Christianus Schutz, doctor Caspar Peucer, doctor Georg Cracovius".