Ein schiferdecker fellet von S. Michelßkirchen unverletzt (Enoch Widman)

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Ein schiferdecker fellet von S. Michelßkirchen unverletzt

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Zum beschlus dieser historien mus ich einen wunderlichen fall, so sich bei dem gebeu der kirchen S. Michelß zugetragen, mit wenig Worten erzehlen.

Das Gott der Allmechtig mit sonderlichen gnaden bei erbauung dieser kirchen S. Michelß gewesen, erscheinet nicht allein daher, daß weder anno 1570 und die folgenden, da das fördere gewelb erbauet worden, noch auch vor 58 jaren, nemlich anno 1512, alß das kunstliche hindtere gewelb zugerichtet, zur zeit des werenden baues niemand, soviel wißlich, von demselben beschediget worden oder sein leben darüber eingebusset hat, ungeachtet daß bei solchen hohen und schweren gebeuden es solten ohne schaden abgehet (wie man an dem rathhausbau wol erfaren) sondern man hat dessen anno 1515 ein augenscheinlich exempel an einem schiferdecker gehabt.[2] Dann da im gemelten jar ein schiferdecker den knauff mitten uff der kirchen uff dem hohen thurnlein stehendt auffsetzen wollen und ettwas unvorsichtig mit der sachen umbgangen oder ihme sonsten der schwindel in den kopff kommen, ist er von der kirchspitzen herab uffs dach und dann ferner herunter uff den kirchhof gefallen, da itzund des obersten caplan haus stehet, hat aber gleichwol in betrachtung der grossen höhe durch Gottes und seiner engel wunderbaren schutz keinen schaden an seinem leib davon bekommen. Do auch iderman, der solches gesehen, zugelauffen und anders nicht vermeinet, es sei grosse gefahr vorhanden und derhalben nach wasser, essig oder sonsten nach anderer labsal geschrien, den armen mann zu erquicken, hat er kecklich geantwortet, sie sollen seinethalben nicht erschrecken und unbekümmert sein, ihme nur einen guten trunck bier bringen, es reue ihn nichts dann der fromme christenmensch, so des orts begraben liege, uff den er gefallen. Hirauff hat ein anderer den grossen knauff uff die spitzen des kirchthurnlein gesetzet und gritling uff dem knopff sitzendt einen angster mit bier den kindern, so zugesehen, zu einem gedenckzeichen außgetruncken und das glas von sich geworffen.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 419. Marginalie: "Ein schiferdecker fellet von S. Michelßkirchen unverletzt".
  2. Marginalie: "Ein schiferdecker fellet von S. Michelßkirchen unverletzt".