Ein weibsperson vom adel wird justificirt (Enoch Widman)

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Ein weibsperson vom adel wird justificirt

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Anno 1593, mittwoch nach Trium Regum, den 10. januarii, ist Ursula von Schwerze[n]bach (also genant, weil ihr vatter Hans Ernst von Hirsperg, ein guter, redlicher vom adel, daselbsten sein sitz gehabt) wegen ihrer mißhandlung, wie kurtz zuvor berurt,[2] und das diselbige in ihrer [S. 469] eltern schloß mit Balthasar Kruger, einem Schreiber, drei kinder, dann in ihrem ehstandt mit einem bauknecht (Pangratz Edelman genant, so eben derohalben anderßwo geköpfft) ein kindt in unehren gezeuget und dieselben alle viere umb ihr leben gebracht hat, mit dem schwert vom leben zum tod hingerichtet worden. Obwol sie aber den rechten und marggrefischer Peinlicher Halßgerichtsordnung nach mit dem wasser hette sollen gestraffet werden, ist doch uff gnedigste bewilligung unsers durchleuchtigsten fursten und herrn in betrachtung des alten, erbarn und adelichen geschlechts ihr ein milter urtheil mitgetheilet worden, also das auch der hencker sie nicht angreiffen und vor gericht fuhren dörffen, sonder sie ist mit einem seidenen bandt gebunden mit dreien Weibspersonen (denen der landtknecht gefolget) bedes vor gericht und dann ferner uff die auffgeschlagene bunen und zur gerichtsstadt mitten uff dem marckt gegen dem Michelgeßlein über, ein betbuchlein in den henden habendt, mit sonderlichem hertzlichen mitleiden der gantzen burgerschafft begleitet worden. Und dieweil sie nicht allein vom leib eine schöne adeliche person gewesen, sondern auch von ihren lieben und frommen eltern von jugendt auff zu gottesfurcht und allen tugenden (daß ihr dann der teuffel mißgegönnet) erzogen worden, hat sie ein christliches seliges endt genommen, ist dem tod ohne alles entsetzen unter augen gangen, sich mit Gottes wort herrlich getröstet, hat die leut zu allem guten und daß sie ihrer kinder wol wahrnehmen solten, vor ihrem endt von der bunen vermanet, sich darnach uff den stul gesetzet und mit menniglichs verwundern gantz getrost ihr recht erstanden. Darauff man alßbald die glocken zusammengeschlagen und ist der corper sampt dem schwartzen tuch, uff welchem sie enthaubtet worden, in einen verbichten sarck geleget und in die Closterkirchen getragen, dann zur vesperzeit mit gewöhnlichem gesang und christlichen ceremonien, auch mit dem geleut in allen kirchen uff den kirchoff S. Laurentii, in grosser meng und beklagung der burgerschafft begleitet und daselbsten uff vorgehende gethane leichpredigt wie andere christenmenschen begraben worden.

Es wurden aber, weil man das gericht gehalten, die stadtthor und thurlein umb allerlei Ursachen willen und sonderlich, weil viel adelßpersonen in der stad waren und dem traurigen spectackel zusahen, verschlossen; auch die burgerschafft mehrerßtheils vom rathausthurn oder schnecken an umb die bune herumb und widerumb hinauff für das rathhaus und die auffgeschla[S. 470]gene gerichtsschrancken in ihrer rustung ordentlich gestellet, daß, wann ettwan ein aufflauff geschehen möchte (welchs gleichwol Gott gnedig verhutet) man solchem geburlich begegnen und allerlei gefahr abschaffen köndte.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 468-470. Marginalie: "Ein weibsperson vom adel wird justificirt".
  2. Vgl. Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 467.