Feuersbrunst thut schaden bei uns (Enoch Widman)
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Feuersbrunst thut schaden bei uns | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] Am 22. sontag Trinitatis, den 6. novembris, morgens fru vor 6 hor, ist in der Clostergassen bei Matthes Brentel, becken (wenig heuser von der Closterkirchen) feuer außkommen und hat wegen des bechs, butter, holtz und stro, dessen er viel beisammen gehabt, also uberhandt genommen, daß nicht allein sein haus sampt allem dem, das er darinnen gehabt, auch 5 schwein und 6 kuhe zu grundt verbrandt, sonder auch seine benachbarte zu beden theilen oder seiten sehr beschediget und also 6 heusser nacheinander innerhalb zweier stunden in diesem brandt verdorben sindt. Dann sobald es 8 geschlagen, ist durch Gottes hulff zuförderst und dann durch vleissiges leschen der burgerschafft dieses feur wider gedempffet worden. Da herr magister Pangratz seliger gedechtnus nicht allein den bürgern zugeschrien und sie vermanet getrost zu leschen, sonder hat auch selbsten große baum und mist helffen zu tragen, das man einen teich in der Judengassen gemachet, das wasser darinnen zu samlen und zum leschen zu gebrauchen, weil die rörkasten und brunnen sehr erschöpffet und in der eil im großen schrecken viel wasser vergeblich vergossen wurde.
Man hat aber wegen des feuers das hohe ambt in der kirchen S. Michels bis nach 8 hor auffzihen müssen, da sich dann die leut gemachsam in die kirchen gefunden haben. Es ist auch die frupredigt unterlassen und allein kurtz gesungen und gelesen und nach solchem den communicanten das abendt[S. 404]mal gereichet worden, weil es sich sonsten zu lang wurde verzogen haben und man zu besorgen, das feur möchte sich ettwan widerumb ereignen. Zur vesper aber an diesem sontag hat herr magister Pangratius das sontagsevangelium fallen lassen und aus den Worten Lucae 13 „So ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle also umbkommen“ eine bußpredigt gethun, wie die leut solche feuersbrunst ansehen und wie sie ihnen solche zur wahren bus dienen lassen sollten. Es schreibet herr Pangratz seliger in seiner predigt, die er am selben sontag zu morgens thun wollen, das es die erste predigt sei gewesen, die er in seiner neuen studirstuben (oberhalb der wohnstuben in des predigers haus) geschrieben habe. Und do er über solcher predigt gesessen und bald im anfang diese wort geschrieben: („Also droet der herr Christus, das er die unfruchtbarn baum endtlich abhauen und ins feuer werffen wolle“) hab man gleich mit der glocken gesturmet und feuer geschrien, das er also von seinem furnemen des predigschreibens ablassen müssen. Er setzet auch ad marginem concionis unter andern diese wort dazu: „Deus avertat, ne arbores inutiles etiam in aeternum coniiciantur ignem“.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 403f. Marginalie: "Feuersbrunst thut schaden bei uns".