Friderich churfurst zu Sachsen (Enoch Widman)

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Friderich churfurst zu Sachsen

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Zu dieser zeit,[2] sowol auch hernach, ist Fridericus III., der Weise genant, churfurst zu Sachssen, unter andern fursten des Römischen Reichs mit grossem lob berumbt gewesen, dessen gantzes leben nichts anders war dann sein name Friederich. Er hatte ein gut gedechtnus und scharffen verstandt, sahe weit mit seinen gedancken, war langsam zum zorn und sanfftmutig geneigt zur gnad, mildigkeit und gastfreihet, ein liebhaber der geistlichen und ein lebendig bildnus aller tugenden, war der gelerten leut freundt, gab den bedrängten gerne audientz, liß niemand traurig von sich scheiden, eines erbarn fürstlichen gemuts. Wann er des abends gedacht, daß er denselben tag nimand gutes erzeiget hatte, sagt er, wie auch keiser Titus: „Diesen tag hab ich verloren oder unnutz zugebracht.“ Sein reichtumb waren gute freund und fromme treue leut und war der geierteste furst unter allen in Germania zur selben zeit, begerete andere fursten mehr mit kunst und weißheit, alß mit reichtumb zu ubertreffen, hette gelerte leut gerne umb sich und ergetzet sich hoch durch ihre colloquia, richtete die weit berumbte hohe schul (anno Christi 1502) zu Wittenberg auff (in welcher durch doctor Luther anno 1517 das liebe evangelium an den tag kommen). Er war auch ein grosser liebhaber der musica und selbsten ein außbundiger guter musicus, hette unter allen fursten im reich die beste cantorei und hilt sie herrlich, er trug lust zu allerlei lieblichen instrumenten, zihrete und vermehrete das haus von Sachssen wol. Nach dem tod Maximiliani ward er zum römischen keiser erwehlet und stunde aller churfursten wahl uff ihm. Er wolt aber, alß ein friedliebender man, der da zu rhu lust hette, solche burd uff sich nicht laden, sonder schlug es weißlich ab. Starb endtlichen mit grosser klag vieler fürsten und herren, länder und leut, anno 1525, seines alters im 72. jar.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 241. Marginalie: "Friderich churfurst zu Sachsen".
  2. 1502.